Theaterluft im Schulgebäude des Otto-Hahn-Gymnasiums

Erstmalig nahm das Otto-Hahn-Gymnasium Marktredwitz in den eigenen Räumen das kulturpädagogische Angebot des Theaters Hof Anspruch. Die Schüler der 8. Klassen sahen eine Inszenierung von Eric-Emmanuel Schmitts „Oskar und die Dame in Rosa“.

Am 07.07.2009 reisten Mitarbeiter des Theaters Hof am Otto-Hahn-Gymnasium an, um in zwei Vorstellungen den Schülern aller 8. Klassen das Stück „Oskar und die Dame in Rosa“ von Eric-Emmanuel Schmitt zu präsentieren. Bereits seit Jahren bietet das Hofer Theater im Rahmen der Kulturpädagogik unterschiedliche Vorstellungen als mobil einsetzbare „Klassenzimmerstücke“ an.
In diesem Jahr steht auf dem Spielplan die Geschichte des zehnjährigen Oskars, der todkrank auf sein Sterben wartet. Dabei tritt ihm Oma Rosa, eine Seniorin, die sich im Besuchsdienst des Krankenhauses engagiert, an die Seite. Sie rät dem Jungen, Briefe an Gott zu schreiben, um nicht so alleine zu sein. Außerdem schlägt sie dem Kind vor, dass beide die kommenden zwölf Tage so erleben könnten, als würde Oskar täglich um zehn Jahre altern. Die Dame erlaubt auf diese Weise dem an Leukämie erkrankten Patienten, zumindest in seiner Vorstellung ein ganzes und erfülltes Menschenleben zu durchdenken. Pubertät, erste Liebe, Hochzeit, Sorgen des Erwachsenenalltages, Midlife-Crisis, Verlust des Partners und das Reflektieren über den eigenen Tod erlebt der Junge auf diese Weise innerhalb nur weniger Tage. Oma Rosa, eine ehemalige Catcherin, die das Herz am rechten Fleck hat, gibt ihm nahezu täglich wichtige Lebensweisheiten und Erfahrungen mit auf den Weg, wodurch sie den Kleinen am Erfahrungsschatz einer Rentnerin teilhaben lässt. Im gedachten Alter von schließlich 120 Jahren erkennt der Zehnjährige, dass er nun sterben muss. Zurück bleibt die Dame in Rosa, die zutiefst spürt, dass ihr der kleine Oskar außergewöhnlich ans Herz gewachsen ist. Trotz des herben Verlustes möchte sie sich dennoch weiterhin um sterbenskranke Kinder kümmern, auch wenn es wohl nie wieder zu einer derartig innigen Bindung kommen kann.
Eric-Emmanuel Schmitts Werk gibt die gesammelten Briefe Oskars sowie einen abschließenden Brief Oma Rosas wieder. Regisseurin Nicole Müller legte das Stück so an, dass Oma Rosa, nachdem sie vom Tod des Jungen erfahren hat, die einzelnen Briefe für sich laut vorliest und somit die vergangenen Tage des schrittweisen Abschiednehmens erneut vor Augen sieht. Voller Einfühlungsvermögen spielte Marianne Lang die Rolle der Oma Rosa. Gekleidet mit einem rosafarbenen Kittel, Kleidung der Besuchsdienste in Frankreich, rekapituliert sie, teils voller Freude, teils tief ergriffen, die letzten Lebensstationen des Krebspatienten. Die Schüler, die zum Teil das Buch als Lektüre im Deutschunterricht besprochen hatten, folgten der rund einstündigen Vorstellung interessiert und streckenweise emotional bewegt. Im Anschluss war die Möglichkeit gegeben, zusammen mit der Regisseurin und der Schauspielerin ins Gespräch zu kommen. Fragen zum Gesehenen, zum eigentlichen Text, zum Theateralltag und zum Thema Sterben wurden hierbei thematisiert.
Insgesamt konnten die Schüler den in der 8. Jahrgangsstufe erhaltenen ersten Zugang zu dramatischen Texten und den damit verbundenen Bereich des Theaterwesens auf diese Weise vertiefen. In den daran anschließenden Deutschstunden wurden die Eindrücke noch intensiver diskutiert.

StRef Jochen Frank

 

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