Zu Beginn des Tages werden die SchülerInnen von der Inhaberin des Lehrstuhls für „Wirtschaftsgeographie“, Frau Prof. Dr. Matuschewski, über das Studium der Geographie umfassend informiert.
Anschließend dürfen sie einer Vorlesung von Herrn Prof. Dr. Dünckmann, Inhaber des Lehrstuhls „Raumbezogene Konfliktforschung und Politische Geographie“ der Universität Bayreuth, beiwohnen. Der erste Teil der zweigeteilten Vorlesung behandelt dabei das Thema „Städtische Aufwertungsprozesse“. Dabei stelle sich zuerst die Frage, was mit den bisherigen Bewohnern von baulich aufgewerteten Wohnsiedlungen geschehen solle. Dies sei besonders zu beachten, da es leicht zu Konflikten komme. Es gebe aber auch Maßnahmen wie das Bund- und Länderprogramm „Soziale Stadt“, die auf eine eigenständige Aufwertung des Viertels durch die Ausgangsbevölkerung abzielten, ohne dass ein Wechsel der Bewohner stattfinde. Ein weiterer Aufwertungsprozess neben der Sanierung sei der Prozess der „Gentrification“ (Luxussanierung). Dabei seien wiederum Konflikte vorauszusehen. Diese gründeten auf der Frage, wem diese Art von Aufwertung nutze. Die Antwort darauf sei, dass dieser Nutzenträger meist nicht die Ausgangsbevölkerung sei, sondern die sich neu ansiedelnden Bewohner mit überdurchschnittlich hohen Einkommen. Beispiele für Gentrification seien das Hamburger „Schanzenviertel“ sowie das Frankfurter Viertel „Westend“. Im letzten Abschnitt des ersten Teils der Vorlesung kommt der Professor schließlich auf die Stadtplanung zu sprechen. So sei ein neues städteplanerisches Mittel in heutiger Zeit die sog. Festivalisierung. Das bedeutet, dass man versuche, durch außergewöhnliche Veranstaltung einen Stadtteil der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Abschließend referiert Dünckmann über den Wandel im städtebaulichen Planungsverständnis. So habe ein Plan traditionell als Weisung gegolten, heute aber seien Kommunikation und Moderation gefragt.
Im zweiten Teil der Vorlesung befasst sich Prof. Dünckmann mit dem Thema „Restrukturierung Ländlicher Räume“. Dabei müsse zuerst eine allgemeine Definition des Begriffs „Ländlicher Raum“ gefunden werden. Einige in der Stadt lebende Personen empfänden den ländlichen Raum als luxuriöses Freizeitdomizil, das der von ihnen gewünschten Lebensart entsprechen solle. So stelle der strittige Begriff für diese Gruppe von Menschen eine Art sozialer Repräsentation dar, was aber eben nicht für alle Menschen zutreffe. Daraus schließt Dünckmann, dass eine umfassende Definition des Ländlichen Raums auch durch andere Faktoren beeinflusst werden müsse. Diese versucht er anhand eines Beispiels zu veranschaulichen: „Stellen sie sich vor, eine Frau aus einer Großstadt zieht aufs Land. Von ihren neuen Nachbarn wird sie mit einem Besuch bei ihr zu hause begrüßt. Dieser Brauch gefällt dieser Frau. Sie denkt, auf dem Land gehöre sich das nun einmal. Daher begrüßt sie wenige Wochen später ihre neue Nachbarin nebenan ebenso. Diese beiden Frauen, die sich bei diesem Willkommensgruß zum ersten Mal treffen, wohnten jedoch schon in der Großstadt in enger Nachbarschaft.“ Letztendlich stelle sich daher die Frage, was der ländliche Raum überhaupt sei. Und dies im Besonderen, da die Unterschiede zwischen Stadt und Land verschwimmen würden. Das Trennungskonzept Stadt-Land sei letztendlich ohne erklärenden Gehalt. Auch zwischen Ländlichen Räumen selbst gebe es enorme Unterschiede. Abschließend sei also festzuhalten, dass die Frage nach einer Definition des Ländlichen Raums sich eher schwierig gestalte und nicht eindeutig beantwortet werden könne. Fest stehe lediglich, dass der Ländliche Raum eine individuelle, aber auch soziale, ästhetische und ideologische Bedeutung für jeden einzelnen habe.
An die Vorlesung schließt sich ein Besuch bei Frau Dr. Schrüfer, die am Lehrstuhl „Didaktik der Geographie“ arbeitet, an. Diese referiert kurz über das Geographiestudium auf Lehramt und führt den Seminarkurs in die Teilbibliothek Geographie. Dort erhalten die Schüler eine Bibliotheksführung.
In der Mitttagspause kommen die angehenden Abiturienten außerdem in den Genuss, in der bereits mehrfach ausgezeichneten Universitätsmensa zu speisen. Dieser kulinarische Hochgenuss komplementiert einen anstrengenden, aber ereignisreichen Tag, der dem Seminar zum ersten Mal vor Augen hält, wie sich ein Tag als Student anfühlen kann.