Auf der Route der Industriekultur - Exkursion ins Ruhrgebiet (LK Geographie/ Pluskurs Geologie) vom 22.02.-25.02.2010

Exkursionsprotokoll

Vom 22.2.10 bis zum 25.2.10 begeben sich der Leistungskurs Geographie der K12 und der Pluskurs Geologie der Q11 zusammen mit StR Vogel und StRin Groß auf Exkursion in den größten Ballungsraum Deutschlands - in das Ruhrgebiet. Ziel ist es zum einen, den Strukturwandel dieses von Altindustrie geprägten Raumes zu analysieren und zum anderen, die geologische Situation vor Ort näher zu untersuchen. Hochöfen, Gasometer und Fördertürme prägen bis heute das Gesicht des Ruhrgebiets. Sie sind wichtige Zeugen der ca. 150-jährigen industriellen Vergangenheit des „Reviers“, aber auch des sich bis heute vollziehenden Strukturwandels. Denn die ehemaligen Produktionsstätten sind keine Orte wehmütiger Erinnerung, sondern haben sich längst zu „lebendigen“ industriekulturellen Räumen und attraktiven Veranstaltungsorten entwickelt.

Station 1 : Tetraeder Bottrop

Diese 50 m hohe Konstruktion ist ein Wahrzeichen der Stadt Bottrop und ein Symbol für den Strukturwandel in dieser Region. Der Tetraeder, im Grunde eine begehbare Aussichtsplattform in Form einer Pyramide, steht auf einer aufgeschütteten Halde des Bergbaus. Das Material, aus dem die Halden aufgeschüttet werden, wird Abraum genannt. Auf den Halden wird das Material angeschüttet, das bei der Kohleförderung ans Tageslicht gefördert wird, jedoch für die Weiterverarbeitung unbrauchbar ist. Halden sind im „Pott“, ursprünglich von flachem Relief geprägt, ein landschaftsprägendes Element geworden. Zeugen sie nicht nur von der altindustriellen Vergangenheit der Region, sondern es bietet sich von dort aus auch ein weiter Blick über das Ruhrgebiet. Der Tetraeder selbst wird nachts eindrucksvoll illuminiert und stellt daher ein weithin sichtbares Lichtereignis dar. Er ist von dem Architekten Wolfgang Christ im Jahr 1995 entworfen und im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA) , deren Ziel es ist, mithilfe von architektonischen, städtebaulichen, sozialen und ökologischen Maßnahmen eine Grundlage für den wirtschaftlichen Wandel im Ruhrgebiet zu schaffen, initiiert worden.

Station 2: Jugendherberge Duisburg/Meiderich

Die Unterkunft liegt im alten Industriegebiet der Stadt Duisburg. Der Verwaltungstrakt eines Hüttenwerks ist zu einer Jugendherberge umgebaut worden, die direkt an den Landschaftspark Duisburg-Nord anschließt. Diese 200 Hektar große Industriebrache ist im Laufe von über zehn Jahren zu einem Multifunktionspark umgestaltet worden. Beispielsweise finden in den ehemaligen Werkshallen heute Kulturveranstaltungen statt, ein Gasometer beherbergt bald Europas größtes künstliches Tauchsportzentrum, ein Erzlagerbunker hat sich in einen alpinen Klettergarten verwandelt, eine ehemalige Gießhalle ist zu einem Hochseilparcours umgestaltet worden und ein erloschener Hochofen wird als Aussichtsplattform genutzt. Diese Elemente verdeutlichen erneut den im Ruhrgebiet bis heute ablaufenden Strukturwandel: Eine von der Schwerindustrie geprägte Region wird zum Dienstleistungseldorado.

Station 3: Landschaftspark Duisburg-Nord

Der 200 ha große Natur-, Freizeit-, Lern- und Eventpark in Duisburg-Meiderich, der ebenfalls ein Teilprojekt der Internationalen Bauausstellung Emscher Park ist, umfasst heute unter anderem die brachliegenden Flächen des Hochofenwerks, des Hüttenbetriebs, der Zeche und der Kokerei Thyssen 4/8. Im Jahr 1985 hat man sich dazu entschlossen, das stillgelegte Hüttenwerk zu erhalten, da dies günstiger gewesen ist, als es für ca. 70 Millionen DM abzureißen. Im Rahmen der IBA ist dann z.B. der ehemalige Hochofen zum Aussichtspunkt umfunktioniert worden; alte Bahndämme fungieren heute als Spazierwege. Der Park kann während Führungen auf Erlebnispfaden oder bei einer Selbstbesichtigung kostenfrei bewundert werden. Dabei ist zu erleben, wie die alten Industrieruinen von der Natur zurückerobert werden. Neben Kulturveranstaltungen finden dort unter anderem auch regelmäßig Open-Air-Kino-Vorstellungen statt, die durch den ausgefallenen Veranstaltungsort im Landschaftspark eine außergewöhnliche Individualität erlangen. Jährlich besuchen über 500.000 Interessierte die ungewöhnliche Anlage, um dort hautnah die Industriegeschichte des Ruhrgebiets zu erfahren.

Station 4: Gasometer Oberhausen, CentrO Oberhausen

Auch das CentrO in Oberhausen ist auf einer ehemaligen Industriefläche errichtet worden. Damit übernimmt das CentrO eine zentrale Rolle im Rahmen des Stadtentwicklungskonzeptes „Neue Mitte Oberhausen“. Ziel dieses Konzeptes ist einerseits die Sanierung ehemaliger Industriebrachen im Herzen der Stadt und andererseits zu einer ökonomischen Stabilisierung der Region beizutragen. Diese ist nötig, da viele Arbeitsplätze in der Schwerindustrie und dem Bergbau aufgrund der Kohle- und Stahlkrise, die in den 60er Jahren einsetzte, weggefallen sind. Die einzige Chance für die Region besteht seitdem in einer umfassenden Tertiärisierung, d.h einem Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft. Das CentrO ist mit einer Verkaufsfläche von ca. 70.000 m² Europas größtes Shoppingcenter und damit ein Besuchermagnet für Jung und Alt. Zum Angebot der „Shopping mall“ gehört neben ca. 200 Einzelhandelsfachgeschäften auf zwei Ebenen u.a. auch die so genannte „Coca-Cola-Oase“ mit 22 verschiedenen gastronomischen Betrieben. Eng mit diesem Aufwertungskonzept verbunden sind eine Attraktivierung des gesamtstädtischen Freizeitangebotes, der Lebensqualität sowie eine Verbesserung der Infrastruktur vor Ort.
Der Gasometer Oberhausen ist zugleich Wahrzeichen der Stadt und ein weiteres Symbol für den Strukturwandel des Ruhrgebiets. Der ehemalige Kokereigasspeicher ist heute eine Ausstellungshalle. Mit einem gläsernen Panoramaaufzug im Inneren des Gasometers kann man bis unters Dach fahren, von wo aus man einen Blick über das gesamte westliche Ruhrgebiet hat. Zurzeit findet hier die Ausstellung „Sternstunden – Wunder des Sonnensystems“ statt; ein Projekt der Kulturhauptstadt RUHR.2010. Unter dem Motto „Kultur durch Wandel, Wandel durch Kultur“ ist das Ruhrgebiet dieses Jahr Kulturhauptstadt Europas geworden. Dieses Ereignis ist das beste Beispiel für den Wandel von Deutschlands größter Industrie- hin zu einer vielfältigen Kulturregion. Essen ist dabei zwar dem Namen nach die alleinige Hauptstadt der Kultur, vertritt jedoch gleichzeitig stellvertretend die gesamte Metropolregion Ruhr.

Station 5: Veltins Arena in Gelsenkirchen

Die Veltins-Arena (bis 2005 Arena auf Schalke) in Gelsenkirchen ist das Heimstadion des FC Schalke 04. Der Fußball hat sich bis heute generell zu einem untrennbaren Bestandteil der Ruhrgebietskultur entwickelt und dient als zentrales Bindeglied zwischen dem modernen Ruhrgebiet und seiner Vergangenheit als Bergbau- und Industrieregion. Für die meist proletarischen Zuschauer in den 1960er und 1970er Jahren ist der Fußball ein zentraler Aspekt ihres Lebens gewesen; ein Ausgleich zu ihrer harten Arbeit in der Schwerindustrie. Sowohl Schalke 04 als auch Borussia Dortmund haben ihren Ursprung in Arbeitervierteln genommen und stehen weiterhin sinnbildlich für Herz und Leidenschaft als die Tugenden des „Ruhrpotts“. Beide Vereine besitzen heute mit Abstand die meisten Anhänger im Revier und der Umgebung sowie neben dem F.C Bayern München auch in ganz Deutschland.

Station 6: Düsseldorf

Die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens grenzt sich klar vom Ruhrgebiet ab, da sie nie von der Kohleförderung geprägt, geschweige denn davon abhängig gewesen ist. Kennzeichnend für den Düsseldorfer Luxus ist die Königsallee, auf der sich neben den teuersten und bekanntesten Marken der Welt auch Banken, Wohnimmobilien und Hotels finden.
Der alte Handelshafen, der nach dem Zweiten Weltkrieg völlig zerstört gewesen ist, ist vollständig wieder aufgebaut worden und stellt heute als so genannter Medienhafen ein Zentrum der kommunikativen Branche dar. Der berühmte Architekt Frank Gehry verleiht dem neuen Hafen dabei mit seinem Gebäudekomplex des „Neuen Zollhofes" einen besonderen Ausdruck. Heutzutage siedeln sich dort große Firmen, Modemarken und Büros an. Nicht zuletzt deshalb hat sich in der Metropole seit den 60er Jahren auch die High Society angesiedelt.

Station 7: Zeche Zollverein

Die ehemals „schönste Zeche der Welt" gehört seit 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie zeichnet sich durch den Bauhausstil aus, der im Allgemeinen durch klare geometrische Formen besticht und dem Moto „Funktion folgt Form“ unterliegt. Das Doppelbock-Fördergerüst von Schacht XII ist nicht nur zum Wahrzeichen der Zeche selbst, sondern des ganzen Ruhrpotts geworden, weshalb es auch „Eiffelturm des Ruhrgebiets" genannt wird. Zur Hoch-Zeit des Kohleabbaus sind 1.000 Kumpel in der Kokerei beschäftigt gewesen. Diese haben in speziell erbauten Arbeitersiedlungen in der Nähe der Zeche gewohnt; vier Familien haben sich dabei ein zweigeschossiges Haus geteilt. Die Häuser sind zwar heute noch erhalten, zum Industrieerbe erklärt und größtenteils saniert worden; jedoch muss man sich das Haus heutzutage nicht mehr mit drei weiteren Familien teilen.
Nachdem die Steinkohleförderung bereits 1986 nach 135 Jahren Betriebsdauer eingestellt und die Kokerei 1993 geschlossen worden sind, hat sich die Frage nach der zukünftigen Ausrichtung des Betriebs gestellt. Dabei entschließt man sich dafür, die ehemalige Zeche in die Essener Denkmalliste aufzunehmen und damit dagegen, sie abzureißen, wie es üblich gewesen wäre. Dabei gilt bis heute das Prinzip: Erhalt durch Umnutzung. Unter diesem Moto ist die Zeche komplett saniert worden und seit 1999 für Besucher geöffnet, was weltweit einzigartig ist. Mit 800.000 Besuchern im Jahr hat es Zollverein geschafft, den Strukturwandel zu meistern.

Station 8: Duisburger Hafen

Mit einer Größe von 89 Hektar ist der Duisburger Innenhafen der größte Binnenhafen Europas. Dieser ist ein Paradebeispiel für die Aufwertung und Neunutzung brachliegender Werkflächen. Norman Fosters Masterplan lieferte die Grundlage für die Umnutzung und Neugestaltung des Innenhafens, der seit der Kohle- und Stahlkrise in den 1960er Jahren an Bedeutung verloren hat und für 20 Jahre brach gelegen ist. Unter dem Schlagwort der Wasserfrontrevitalisierung ist es jedoch gelungen, den alten Hafen von Grund auf aufzuwerten. Heute ist er zum einen ein bedeutender Wirtschaftsstandort, an dem sich viele Unternehmen niedergelassen haben, zum anderen ist er Kulturzentrum, Tourismusmagnet und Wohnfläche zugleich.

Station 9: Bochum

Im Kontext des Strukturwandels wird unter anderem auch die Tourismusbranche gefördert. Zum Beispiel ist in Bochum ein Theater eigens für das Musical „Starlight Express" erbaut worden. Nach einer dreizehnmonatigen Bauzeit wird das Arena-Theater mit dem aufwendigen Inventar bis heute sehr gut angenommen. Aus ganz Deutschland strömen begeisterte Musicalfans mittlerweile zur Starlight Halle, um sich dieses Spektakel anzusehen. Dadurch machen sie es zu einem wichtigen Besuchermagnet des Ruhrgebiets.

Fazit

Die Umnutzung der alten Industriestandorte des Ruhrgebiets wirken sowohl nach innen als auch nach außen positiv. Die Bewohner nutzen diese Flächen seither z.B. zur Erholung oder zur Freizeitgestaltung; sie sind zu populären Wahrzeichen der Region geworden. Durch Städtetouristen hat das Ruhrgebiet außerdem das Image einer einzigartigen Industriekultur-Region bekommen. Nicht zuletzt auch wegen der positiven Reaktionen der dort lebenden Menschen ist das Ruhrgebiet zur Kulturhauptstadt Europas 2010 erklärt worden.

 

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