Claudia Procula und der Nazarener

Zu den Wurzeln des Glaubens

Schüler des OHG feiern mit dem Musical "Claudia Procula und der Nazarener" eine umjubelte Premiere. Frauen berichten über den Menschen Jesus. Von Uschi Geiger Marktredwitz - Dass ihre alten Strukturen einmal einen lebendigen, herzzerreißenden Ursprung hatten, sieht man den christlichen Kirchen oft nicht gleich an. Ganz zu den historischen Wurzeln des Glaubens an Jesus Christus führt dagegen das Musical "Claudia Procula und der Nazarener", das am Mittwoch in der Aula des Otto-Hahn-Gymnasiums Premiere hatte. Möglich wurde die grandiose, heftig umjubelte Aufführung durch das gemeinsame Engagement der Projekt-Seminare Musik und Katholische Religion mit ihren Lehrern Andreas Krauß und Jürgen Herr. Wie schon beim Musical "Grenzgeflüster" hat Andreas Krauß eine Textvorlage der Jugendbuchautorin Irma Krauß vertont und passgenau für seine Schülerinnen und Schüler in Szene gesetzt, wobei die Hauptrollen ausschließlich von Frauen besetzt sind: Die erste Szene führt mitten hinein in die Zeit zwischen jene beiden Feste, die wir heute als Ostern und Pfingsten bezeichnen, zu den jüdischen Frauen, die Jesus im Leben und in den Tod hinein begleitet haben: Maria, seine Mutter (Vanessa Schraml), Miriam und Martha, die Schwestern des Lazarus (Marina Bauer und Sabine Junghans), Magdalena (Susanne Nixel) und Salome (Teresa Sobotta) - sie alle sind noch wie betäubt vom Verlust des Sohnes, Freundes und Lehrers. Die Angst vor der römischen Besatzungsmacht und den religiösen Führern ihres eigenen jüdischen Volkes lähmt sie. "Wir haben ihn verloren!" singt Miriam eindringlich, untermalt von den Klängen des Chors, der bis auf die Schlussszene im Hintergrund verborgen bleibt, und des Mini-Orchesters (Toni Kastner und Petra Stöckert, beide Cello, und Phillip Pürner an der Gitarre). Zu diesen Frauen findet mitten in der Ungewissheit Claudia Procula, die Gattin des Pontius Pilatus. (Die doppelt besetzte und, wie schon in der Generalprobe zu hören, jeweils hervorragend ausgefüllte Titelrolle hatte bei der Premiere Cathrina Wagner übernommen; sie wechselt sich mit Amelie Troesch ab.) Ihr schlägt zunächst Misstrauen entgegen: Was will sie hier? Und Claudia empfindet das Außergewöhnliche ihres Anliegens selbst: "Ich bin eine römische Dame", singt sie. Sie will wissen, warum ihr Mann Pontius Pilatus zu einem offensichtlichen Fehlurteil gedrängt wurde, was dieser Jesus getan hat, um den Hass der religiösen Führung auf sich zu ziehen. Wehmütig beginnen die jüdischen Frauen zu erzählen. Als einen, der ganz bei den Menschen war, sich aber auch stets jeder Manipulation entzog, haben ihn die Frauen kennen gelernt. In einem mit vielen orientalisch anmutenden Halbtonschritten komponierten Stück beschreibt Susanne Nixel als Magdalena beeindruckend in Lied und Tanz, wie Jesus sie von ihren sieben "Dämonen" befreite. Jesus, der sogar Macht über den Tod hatte - warum, so fragt Claudia Procula, musste er trotzdem sterben? "Er ist den ganzen Weg gegangen", resümiert Miriam singend; die radikalen Forderungen der Bergpredigt habe er für sich selbst kompromisslos umgesetzt. Nun begreift Claudia Procula, wie gefährlich jener galiläische Rabbi den religiösen Autoritäten erschienen sein muss: Wenn Gott über dem Gesetz steht, ist es mit ihrer Macht über die Menschen vorbei. Über drei Akte hinweg bewegt sich das Musical zielsicher auf den Höhepunkt, den Wendepunkt zu: Alle haben mit Jesus gekämpft und gelitten, sind dem Auferstandenen begegnet und bekommen nun das, was ihnen die ganze Zeit noch gefehlt hat: Sie werden erfüllt vom Geist Gottes, der sie endlich begreifen und die Frohe Botschaft ohne Angst verkünden lässt. In der furiosen Schlussszene ist es endgültig vorbei mit der schwermütigen Trauer: In verschiedenen Sprachen verkünden alle die gute Nachricht, unter ihnen auch Claudia Procula, die nun verstanden hat, was Jesus von ihr wollte. Ein Frauenstück? Vielleicht. Jedoch hält sich die Textvorlage ans Evangelium: Auch da waren es die Frauen, die Jesus auf seinem Kreuzweg nicht im Stich ließen und am Ostermorgen zur Stelle waren. Auf jeden Fall verstehen es die Akteure ausgezeichnet, den Menschen Jesus lebendig werden zu lassen.

Der Artikel erschien am 20.01.2012 in der Frankenpost.

 

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