90 Jahre alt, aber jung geblieben

Für einen musikalischen Höhepunkt sorgten der Chor und das Orchester des OHG mit einem glanzvollen "Oh happy day"

"Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beginnt in der Schule", leitete Landrat Dr. Karl Döhler seine "Geburtstagsrede" in der Aula des Otto-Hahn-Gymnasiums ein. In der Schule werde nicht nur Lehrstoff, sondern auch soziale Kompetenz vermittelt. 1919 als private Schule gegründet, wurde das heutige Gymnasium 1963 von der Stadt und 1973 vom Landkreis als Sachaufwandsträger übernommen. Bis zu 1300 Schüler (im Jahr 1974) wurden in Marktredwitz unterrichtet. Statistiken gingen davon aus, dass es in den nächsten 20 Jahren 30 Prozent weniger Schüler geben werde. Hier heiße es für die Politik und die Verwaltung, darauf zu reagieren.
"Mit Verstand zu loben, ist schwer", sagte die Schulleiterin, Oberstudiendirektorin Gertraud Nickl. Als die Schule vor 90 Jahren gegründet wurde, sei Bildung noch ein Privileg für besser Situierte gewesen. Die Schule habe manch unruhige Zeiten erlebt. Schon bei der Gründung sei nicht mehr die liberale österreichisch-ungarische Donaumonarchie, sondern der junge tschechische Staat in der Nachbarschaft ins Leben gerufen worden. Im Jahr 1930 wurden erstmals auch Mädchen zu den Prüfungen zugelassen, damals gegen den Widerstand des Ministeriums. Acht Jahre später, im Dritten Reich, wurde das wieder revidiert. Der Staat drängte die jungen Frauen wieder zurück "in die natürlichen Berufe" wie es damals hieß. Lerninhalte wurden "entjudet", die Schule von jüdischen Lehrern und Schülern "gesäubert". 72 Schüler kamen aus dem benachbarten Eger. 1944 wurde das Schulgebäude erst einmal Lazarett und dann für zwei Jahre geschlossen.
Ein Markstein nach dem Krieg sei 1951 die Einführung des "G 9" gewesen. Die Schule, sagte Nickl, sei nach wie vor eine zentrale Schnittstelle der Gesellschaft. Lange Jahre sei Marktredwitz vom Osten durch den "Eisernen Vorhang" abgeschottet gewesen. In den 60er Jahren folgte der Neubau des heutigen Schulhauses, das immer wieder angebaut wurde. Mit der Namensgebung nach dem Physiker Otto Hahn habe man bewusst das naturwissenschaftliche Profil geschärft. Mit dem Mauerfall vor 20 Jahren sei die Europastadt Marktredwitz wieder in die Mitte Europas gerückt, sagte die Schulleiterin. Für die Zukunft wünschte sie sich, dass die Ausbildung weniger nach den finanziellen Möglichkeiten, sondern mehr nach den pädagogischen Erfordernissen gefördert würde.
Der Ministerialbeauftragte für die oberfränkischen Gymnasien, Dr. Edmund Neubauer, war 27 Jahre mit dem OHG eng verbunden: erst als Schüler, dann als Schulleiter. Dem OHG bescheinigte er, dass es immer jung geblieben sei. Und das werde auch so bleiben, weil man in der Schule immer mit jungen Menschen zu tun habe. Die Chronik biete Anlass zu einem dankbaren Rückblick, aber auch einem mutigen Ausblick in die Zukunft.
Die Marktredwitzer Oberbürgermeisterin nannte Marktredwitz eine wichtige Schulstadt in der Region, aber auch einen wichtigen Impulsgeber in der Stadt. Marktredwitz werde sich für weitere Schulklassen in der jungen Fachoberschule, aber auch für eine Fachhochschule einsetzen, versprach sie.
Oberstudiendirektor Hans-Otmar Donnert bedankte sich mit seinen Glückwünschen gleichzeitig für die Unterstützung der FOS.
Eine originelle Idee hatte für den Förderverein des OHG Sebastian Macht. Zwar sei die Schule nach wie vor aktuell. Optisch aber könne man das Schwarz-Weiß-Portrait des Namensgebers Otto Hahn schon etwas aufpeppen. Macht überreichte deshalb ein a la Andy Warhol modernisiertes Porträt des Physikers an die Schulleiterin.
Mit dem musikalischen Teil unterstrichen der Kammerchor und das Schulorchester wieder einmal den ausgezeichneten musischen Ruf des Otto-Hahn-Gymnasiums. Zu Beginn hatte Studiendirektor Norbert Leeb die zahlreichen Gäste aus der Politik, Wirtschaft und den benachbarten Schulen begrüßt.
FRANKENPOST 10.11.2009

 

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