Abitur mit 16

Die hochbegabte Julia Krippner (rechts) ist ein Mittelalter-Fan. Mit im Bild: Mutter Petra und Bruder Nicolai, ebenfalls ein echter "Mittelalter-Freak". Foto: Zintl

Julia Krippner schafft als eine der Jüngsten im Freistaat Bayern ihren Abschluss mit der Note 1,7. In nur einem Jahr hat sie drei Klassen durchlaufen.
Waldershof - Wozu andere Jugendliche in der Regel 13 Jahre brauchen - das hat Julia Krippner in wesentlich kürzerer Zeit geschafft. Die sympathische Waldershoferin hat heuer nach insgesamt nur zehn Jahren Schule am Otto-Hahn-Gymnasium in Marktredwitz ihr Abitur "gebaut". Ihr Notendurchschnitt lag bei 1,7, als Leistungskurse hatte sie Geschichte und Latein belegt.
Die Mutter, Petra Krippner, berichtet über den Werdegang ihrer Julia, das dritte von vier Kindern der Familie. Als Julia im Jahr 2000 eingeschult wurde, konnte sie schon lesen - was zunächst einmal nicht verwundert, schließlich ist die Mama Autorin. Nach einigen Monaten stellte die damalige Klassenleiterin Christa Besold fest, dass die kleine Julia total unterfordert ist. Sie schlug ein Vorrücken in die zweite Jahrgangsstufe vor.
Allerdings gab es da ein kleines Problem, denn Julia beherrschte die Schreibschrift nicht. Petra Krippner spricht dann von einem "unheimlichen Erlebnis", denn Julia brachte sich innerhalb weniger Stunden die Schreibschrift selbst bei. Und so war es kein Problem, in die zweite Klasse aufzurücken, die auch Julias beste Freundin besuchte.
Nach der vierten Klasse trat Julia in das Otto-Hahn-Gymnasium über. Da lief es dann ganz normal bis zur siebten Klasse. Ab der achten Jahrgangsstufe überschlugen sich die Ereignisse. Nach wenigen Monaten ging es in die "Neunte" und wieder ein paar Monate später in die "Zehnte" - und das alles in einem Schuljahr.
Und nun im Jahr 2010 hat Julia ihr erstes Etappenziel, das Abitur, erreicht. Sie sagt zurückblickend: "Die Schule war eigentlich nicht so mein Ding." Das neue Ziel von Julia ist ein Archäologie-Studium in Tübingen. Im Oktober geht es los zusammen mit ihrem Freund Dominik. "Aber vorher möchte ich gerne noch ein paar Wochen Ferienarbeit machen, habe aber bisher noch keine Zusage erhalten", ergänzt Julia.
Die Hobbys kamen während der Schulzeit auch nicht zu kurz. So spielt Julia seit sieben Jahren Geige und ist seit vier Jahren ein echter "Mittelalterfan". Sie näht selber Kleider aus dieser Zeit, ihr Freund knüpft Kettenhemden. Und so sind drei bis vier Wochenenden bei Mittelalterfestivals fest eingeplant. Und selbstverständlich gehört als drittes Hobby das Lesen dazu.
Mit Julia hat in diesem Jahr auch ihr drei Jahre älterer Bruder das Abitur mit der Note 2 gemacht. Nicolai erinnert sich, dass es in der Anfangszeit schon ein bisschen Rivalität gegeben habe, "aber ab der elften Klasse haben wir uns gut verstanden, von Konkurrenz konnte keine Rede sein".
Petra Krippner bestätigt ihrer Tochter eine unglaubliche Ausdauer und Beharrlichkeit und hofft, dass ihr das Studienziel und der spätere Beruf Spaß machen.
Schulleiterin Gertraud Nickl vom Otto-Hahn-Gymnasium beschreibt Julia als charakterlich "wahnsinnig stabil". Sie habe sich durch nichts irritieren lassen, sei sozial gut integriert und habe eine unauffällig Karriere hingelegt. Zugute gekommen sei Julia auch die Umstellung vom G 9 auf das G 8, erklärte die Schulleiterin. Christa Besold von der Jobst-vom-Brandt-Schule kann sich noch gut an Julia erinnern, als Julia im Jahr 2000 eingeschult wurde. "Es war faszinierend, wie sich das Mädchen das Schreiben selbst beigebracht hat." Julia Krippner sei in ihrer Laufbahn als Lehrerin auch das erste Kind gewesen, dem sie empfohlen habe, eine Klasse zu überspringen. "Ich freue mich für Julia und habe ihre schulische Laufbahn immer mit verfolgt." Abschließend stellt Julia schmunzelnd fest: "Wir sind schon eine total durchgeknallte Familie." Von Oswald Zintl
FRANKENPOST 10.07.2010

 

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