Am Sonntag stand ein Musiklehrer des Otto-Hahn-Gymnasiums selbst auf der Konzertbühne der Aula: Lehramtsassessor Florian Simeth hatte die Initiative ergriffen und zu Gunsten des neuen musischen Zweigs der Schule ein Benefizkonzert vorbereitet. Der Klarinettist wurde dabei von Dr. Andreas Moosmann am Flügel begleitet.
Die beiden Vollblutmusiker (wobei Moosmann erstaunlicherweise als Chemiker in der Forschung tätig ist und die Musik nur „nebenbei“ betreibt) begannen mit den „Fantasiestücken“ des dänischen Komponisten Niels Wilhelm Gade, eines Zeitgenossen und Freundes von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Robert Schumann. Diese oft gespielten Originalwerke für Klarinette und Klavier verlangten den Künstlern bereits zu Beginn einiges ab, erklangen jedoch in höchst professioneller Manier. Dabei war es für den Klarinettisten mit Sicherheit nicht einfach, die niedrigen Temperaturen in der Aula zu kompensieren, eigentlich Gift für das Holzblasinstrument. Dass davon während des gesamten Konzerts nichts zu merken war, spricht für sich.
Polnische Avantgarde stand als nächstes auf dem Programm: Witold Lutoslawski, Musiker und Mathematiker, komponierte seine Tanzpräludien für Klarinette und Klavier 1953, „gemäßigt modern“ und an der Folklore seines Heimatlandes orientiert. Die fünf kurzen Sätze vereinen diese Gegenpole phantasievoll und wurden von Simeth und Moosmann engagiert ganz im Sinne des Komponisten umgesetzt, der einmal gefordert hat: „In der Musik darf es keine gleichgültigen Klänge geben!“
Erst in hohem Alter schrieb der Spätromantiker Johannes Brahms Kammermusik für Blasinstrumente, darunter auch die Sonate für Klarinette und Klavier in Es-Dur. Lyrisch, mit melancholischen Untertönen, die Sonatenform meisterhaft variierend, schuf der Komponist hier ein Werk, das die beiden Musiker am Sonntag virtuos sozusagen tief in Brahmscher Altersweisheit schürfend interpretierten.
Eines der letzten Werke des französischen Komponisten Francis Poulenc ist die „Sonate pour clarinette et piano“ aus dem Jahr 1962. Hier ist quasi alles zu finden: Eine atonale Introduktion, lyrischer Dreivierteltakt und ein rasantes Finale, das mehrere Tonarten durchläuft. Auch dieser Herausforderung stellten sich Simeth und Moosmann mit Bravour.
Vielleicht haben die beiden Musiker als Finale deshalb die ursprünglich für Violine und Klavier komponierte Mozartsonate in B-Dur, Köchelverzeichnis 454, gewählt, weil beide Instrumente hier besonders gleichberechtigt miteinander verwoben werden. Sowohl vom Pianisten als auch vom Klarinettisten, der hier den unveränderten Violinpart übernahm, verlangt dies neben der rein technischen Beherrschung so manch vertrackter Stelle höchst sensibles Aufeinander-Eingehen, um der kompositorischen Tiefe gerecht zu werden.
Zu Recht war das zahlreiche Publikum am Ende des zweistündigen Konzerts restlos begeistert und bekam sogar noch eine Zugabe: einen Satz aus der Klarinettensonate von Camille Saint-Saëns, Spätromantiker wie Brahms. So schloss sich der Kreis am Sonntag nach einer beeindruckenden Zusammenschau verschiedener Epochen und Musikstile, dargeboten von zwei Musikern, deren Professionalität sicherlich ihresgleichen sucht.
Uschi Geiger