Kartoffelbrei aus echten Kartoffeln

Elke Beck (im Bild mit Schülern) und Andrea Küspert zeigen den Gymnasiasten, wie sie sich eine warme Mahlzeit zubereiten können. Foto: Scharf

Auch so kann Schule aussehen: Im Marktredwitzer Otto-Hahn-Gymnasium ist ein Kochkurs, der seit November vergangenen Jahres angeboten wird, ein "Renner" - auch bei den Jungen. Die Teilnehmer kommen aus der siebten bis zur Abiturklasse.
Die Idee dazu hatten zwei Mütter des OHG-Elternbeirates, Elke Beck und Andrea Küspert. Warum sollte man am Gymnasium keinen Kochkurs anbieten?, fragten die beiden und stießen bei Oberstudiendirektorin Gertraud Nickl auf offene Ohren. Gesunde Ernährung und die praktische Ausführung dazu ist ein wichtiges Thema, meinen die beiden mehrfachen Mütter. Eine Umfrage unter den Schülern stieß auf großes Echo: Rund 40 Jugendliche meldeten sich an, etwa zehn hatten die beiden Frauen erwartet. Überraschend auch für sie war, dass sich ebenso viele Jungen wie Mädchen meldeten.
Und so lernen die Schülerinnen und Schüler des OHG seit November des vergangenen Jahres neben Latein, Mathe, Englisch, Deutsch und anderen Fächern in der Schulküche der daneben liegenden Berufsschule, wie man sich zu Hause selber ein einfaches, aber auch gesundes Essen zubereitet.
Die Freundin beeindrucken
Die Kursteilnehmer kommen nicht nur aus den unteren Klassen, sondern auch aus den Abiturklassen. Die Motive der Schüler, die dafür immerhin am Freitagnachmittag von 13 bis nach 15 Uhr in die Küche kommen, sind unterschiedlich. Einige interessieren sich ganz einfach für Kochen und Ernährungslehre, andere wiederum wollen ihre Freundin mit ihrer Kochkunst überraschen und beeindrucken. Und angehende Studenten wollen schlicht und einfach lernen, wie sie sich während des Studiums am besten und preisgünstigsten selbst versorgen können. So streuen die beiden Kochlehrerinnen in den praktischen auch einen theoretischen Unterricht über gesunde Ernährung ein. Lese-Übungen gehören fächerübergreifend dazu. Vor Beginn der Küchenarbeit liest ein Kursteilnehmer erst einmal die Rezepte und Kochanweisungen vor.
"Geschmacksverstärker oder Dosengerichte gibt es nicht bei uns, sondern nur natürliche Gewürze", betonen die beiden Ober-Köchinnen und legen auch Wert darauf, dass zur Zubereitung nur Bio-Produkte aus heimischen Bauernhöfen auf den Küchentisch kommen. Da gibt es dann schon manche Überraschung, wenn der Kartoffelbrei nicht aus der Packung halbfertig kommt, sondern aus richtigen Kartoffeln zubereitet wird - und auch noch hervorragend schmeckt. Auf der Speisekarte des Unterrichts stehen zum Beispiel "Backkartoffeln mit Rosmarin und Quark-Dips", am vergangenen Freitag standen Nudeln mit (selbst gemachter) Tomatensoße und Fruchtquark als Nachspeise auf dem Speiseplan.
Selbstverständlich wird nach dem Zubereiten der Tisch ordentlich gedeckt und das Essen gemeinsam am Tisch verspeist. Die beiden Lehrerinnen freuen sich besonders darüber, dass die Buben und Mädchen mit viel Spaß und Elan bei der Sache sind. Das Echo von den Eltern sei hervorragend. Die Oma eines Teilnehmers profitiert besonders davon: Für sie darf der Enkel das in der Schule Erlernte zu Hause erneut unter Beweis stellen. Zwar gibt es keine Schulaufgaben oder sonstige Prüfung - außer der am Mittagstisch - aber eine Bemerkung über den erfolgreichen Abschluss des Kurses steht schon im Zeugnis.
Fürs erste ist der Kochkurs fester Bestandteil des Unterrichts. Darüber freut sich Oberstudiendirektorin Gertraud Nickl: "Wenn das Interesse so anhält, brauchen wir im nächsten Schuljahr sogar eine zweite Schulküche."
Herbert Scharf
FRANKENPOST 02.02.2010

 

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