Brachte mit ihrer schauspielerischen Leistung die Absurdität des Kalten Kriegs zum Ausdruck: Antonia Plobner als der entwurzelte ehemalige Soldat.
Ein erstklassiges Drehbuch, ein kleines, aber feines Orchester, ein konzentrierter Chor, eingängige Melodien und Gesangssolisten, die zusätzlich mit schauspielerischem Können glänzen: Daraus hat der Musiklehrer Studienrat Andreas Krauß das Musical "Grenzgeflüster" gestrickt, das am Donnerstag und Freitag vor vollen Rängen im Otto-Hahn-Gymnasium aufgeführt wurde und an beiden Abenden Begeisterungsstürme erntete.
Die Handlung spielt zwar in der Gegenwart, doch reichen die Erzählstränge weit in die Vergangenheit zurück. "Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls" steht auch auf den Programmzetteln, und die Spuren des Kalten Krieges sind auf der Bühne in Gestalt eines ehemaligen Grenzturms augenfällig inszeniert. Hier begegnen sich Julinka und Leo, die beiden Hauptpersonen (Johanna Troesch und Jan-Frederik Spörrer) zum ersten Mal - und scheitern kläglich an der Sprachbarriere und an ihrer Schüchternheit. Doch sind die beiden jung, und man darf wohl auf ihre aufkeimende Zuneigung hoffen. Ganz anders ergeht es da dem ehemaligen Grenzsoldaten, grandios gespielt von Antonia Plobner. Auch ihn zieht es zum alten Grenzturm, und sein Rückblick auf die Zeit des Eisernen Vorhangs könnte bitterer nicht sein: "Ostblock, Westblock, Abschreckung, Sprengköpfe, Atomraketen, Kriegsangst über 40 Jahre!" Der Chor, als Bäume und Waldgeister ins Bühnenbild integriert, rückt bei dieser gesungenen Aufzählung bedrohlich nach vorne, und so manch älterem Zuhörer, der diese Zeit noch erlebt hat, verursacht der verzweifelte Aufschrei des Soldaten Gänsehaut: "All die Begegnungen, die ich versäumt habe, all die Parolen, die ich nachgeplappert habe, an dieser gottverdammten Grenze!"
Die drei Zwerge, die naturgemäß etwas mürrisch daherkommen, sehen die Sache ebenfalls wenig optimistisch. Ihr Lied über die menschliche Abgrenzungswut wird von Amelie Troesch, Susanne Nixel und Katharina Troesch mit Leidenschaft in Szene gesetzt. Die beiden Feen Adele (Laura Weiß) und Benita (Nina Beck) sind dagegen wahre Frohnaturen, denen so schnell nichts die gute Laune verdirbt. Sie machen sich eifrig daran, Julinka und Leo per raffinierter Sprachanimation zu verkuppeln.
Doch ein richtiges Bühnenstück braucht auch ein retardierendes Moment vor dem glücklichen Ende, hier in Gestalt der beiden Monteurkollegen Leos, die erschreckend echt die dumpfen Parolen unserer Tage wiederkäuen: "Wozu braucht Leo eine Tschechentussi, die sollen doch alle bleiben, wo sie sind . . ." - das ganze Repertoire eben. Den beiden Darstellern Benedikt Frey und Markus Fütterer gebührt zusammen mit Antonia Plobner für ihre Leistung eindeutig der "Oscar für die beste Nebenrolle".
Mit Geschick und Magie gelingt es den Feen schließlich, Julinka und Leo zusammenzubringen. Unvergesslich bleiben dem Publikum dabei sicherlich die berührend einfühlsam komponierten Melodien wie "Kennst du die schönste Sprache der Welt?", "Liebe braucht keine Worte" und das Finale "Wir haben nur die eine Erde, ach, dass doch endlich Frieden werde!", alles in bester Ohrwurmqualität.
Dass der Friede für die Welt verzweifelt weit entfernt ist, wissen die Macher des Musicals selbst: Komponist und Regisseur Andreas Krauß und seine Mutter, die prämierte Jugendbuchautorin Irma Krauß, die für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, haben zusammen mit den vielen Beteiligten mit "Grenzgeflüster" dennoch einen Meilenstein gesetzt. Nicht nur in der Schulgeschichte des Otto-Hahn-Gymnasiums, sondern auch in den Köpfen und Herzen von Jung und Alt. Uschi Geiger
FRANKENPOST 29.03.2010