Schule öffnet sich 1930 für Mädchen

90 Jahre alt ist das Otto-Hahn-Gymnasium geworden. Am 3. Juli 1919 erteilte das Bayerische Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten die Genehmigung, in Marktredwitz eine vierklassige Realschule zu errichten. Am kommenden Montag lädt die Schule zu einer Feierstunde in die Aula der Schule ein. Landrat Dr. Karl Döhler hält die Festansprache. Schulleiterin Oberstudiendirektorin Gertraud Nickl beleuchtet in einem Rückblick wichtige Stationen der 90-jährigen Geschichte der Schule.
Die Initiative zur Errichtung der Realschule ging vom Bürgermeister der Stadt Marktredwitz, Dr. Otto Hirschmann, aus. Von den angemeldeten 107 Schülern wurden nur 83 aufgenommen. Schon 1922 wurde der Ausbau zu einer sechsklassigen Realschule genehmigt. Ein Jahr später konnte ein eigenes Schulhaus mit 15 Räumen bezogen werden. Im Volksmund wurde es das "rote Schulhaus" genannt. Der damalige Schulleiter Hermann Hacker verkündete stolz, dass an seiner Schule "zukünftige Kaufleute und Ingenieure, Arbeitsbürger, dem Staat zur Ehre und der Stadt zu Nutz und Frommen und mit Liebe zur Heimat und zum Volksganzen" ausgebildet werden sollen.
Vom Staat übernommen
1925 wurde die Schule vom Freistaat Bayern übernommen. Neben dem technischen Zweig wurde noch eine Handelsabteilung eröffnet. 1930 konnte für die Schule ein Schritt in die Zukunft gefeiert werden. Es wurden erstmals Mädchen zur Aufnahmeprüfung zugelassen. Die Nazis führten jedoch 1938/39 die "staatliche Oberschule für Jungen" ein und machten die Bestrebungen damit zunichte. Der Ausbau zur achtklassigen Anstalt machte den Rückschritt aber nicht wett.
Der Anschluss des Sudentenlandes an das Reich brachte auch 82 Schüler aus Eger nach Marktredwitz. Nationalsozialismus und Krieg veränderten das schulische Leben. Die Hitlerjugend und entsprechendes Lehrpersonal militarisierten den Schulalltag. Der Fächerkanon wurde völkisch, die Lerninhalte "entjudet" und der geltenden "Rasse- und Raumlehre" untergeordnet. Jüdische Schüler und Lehrkräfte wurden aus der Schule entfernt.
1940 wurde erstmals die Reifeprüfung an der vollausgebauten Schule durchgeführt. Wegen des Krieges gingen die Schülerzahlen zurück, 1944 wurde aus dem Schulhaus ein Reservelazarett, 1945 bis 1946 war die Schule geschlossen. Nach dem Krieg begann dann die demokratische Entwicklung.
Die "Oberrealschule mit Gymnasium Marktredwitz" startete mit einem naturwissenschaftlichen und einem sprachlichen Zweig. Nach Jahren der Wirren, des Mangels an unbelasteten Lehrern und Lehrbüchern, nach Brennstoffmangel und Papierknappheit normalisierte sich das Schulleben langsam wieder. 1951 wurde das G 9 eingeführt, 1956 die erste Reifeprüfung im G 9 durchgeführt. Im Jahr 2011, also 55 Jahre später, wird das erste Abitur im G 8 abgelegt. Mitte der 60er Jahre wurde das heutige Schulhaus bezogen, das baulich immer wieder erweitert wurde, letztmals 2006 mit der Grundsteinlegung zum Haus der Mittagsverpflegung. 1965 wurden die Oberrealschulen mit Gymnasien vereint. 1969 folgte die Namensgebung zum Otto-Hahn-Gymnasium. 1977 wurde die Kollegstufe mit nahezu denselben Argumenten wie heute die neue Oberstufe des G 8 eingeführt. 2009 konnte mit dem musischen Zweig das Angebot der Schule nochmals verbessert werden. A. P.
Die Rektoren
Die Direktoren des Gymnasiums seit 1919: Hermann Hacker von 1919 bis 1932, Hans Buck 1933, Dr. Christian Ponader 1934 bis 1945, Walter Dorn 1945 bis 1949, Gustav Mehringer 1949 bis 1959, Albin Sauer 1959 bis 1964, Fritz Ludwig 1964 bis 1982, Leo Sailer 1982 bis 1987, Dr. Edmund Neubauer von 1987 bis 2006, Gertraud Nickl seit 2006.
FRANKENPOST 07.11.2009

 

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