Kommunikation ist das A und O

Die Projektteilnehmer und Diskussionspartner (von links): Andreas Vogel, Halil Tasdelen, Mehmet Akpinar, Celal Öztürk, Florian Zeitner, Noor Schukur, OB Dr. Birgit Seelbinder, Yasemin Cevik, Dr. Peter Gelius, Pfarrerin Tanja Vincent und Berrak Bülbül. Foto: Geiger

Gymnasiasten organisieren eine Podiumsdiskussion zum Thema "Migration und Integration". Sprachkenntnis und Offenheit sind gefordert.
Am Beginn stand ein Projekt-Seminar der elften Jahrgangstufe im Fach Geografie, das dank des Engagements von Studienrat Andreas Vogel und seinen Schülern weite Kreise gezogen hat. Eine studentische Arbeit der Universität Bayreuth aufgreifend, organisierten die Seminarteilnehmer unter anderem eine schulinterne Meinungsumfrage, drehten einen Film, nahmen Kontakt zu "integrationsbewegten" Persönlichkeiten der Stadt Marktredwitz auf und krönten das Ganze mit einer Podiumsdiskussion zu Beginn des Schulfests am Otto-Hahn-Gymnasium. Die Schüler Kim Stellmann und Florian Zeitner stellten das Projekt vor; Noor Schukur fungierte als Moderatorin.
Die Diskussionsteilnehmer waren: Friseurmeisterin Berrak Bülbül, Pfarrerin Tanja Vincent, Oberbürgermeisterin Dr. Birgit Seelbinder, Bautechniker Halil Tasdelen aus Bayreuth, Bäckermeister Celal Öztürk, Kinderarzt Dr. Peter Gelius und Yasemin Cevik, die in dessen Praxis den Beruf der Arzthelferin erlernt hat.
Aus verschiedenen Perspektiven beleuchtete man die Fragen nach gegenseitigen Vorurteilen, nach dem Anteil der Migranten an der deutschen Wirtschaft und ein Umfrageergebnis, laut dem sich 45 Prozent der türkischen Mitbürger in diesem Land unerwünscht fühlen. Einig waren sich alle, dass Kommunikation das A und O jeder gelungenen Integration ist. Nur so, betonte Halil Tasdelen, hätten Vorurteile und dumpfe Stammtischparolen keine Chance: "Der Mensch ist der Feind dessen, den er nicht kennt!" Dass dabei von beiden Seiten Offenheit nötig ist, war Konsens auf dem Podium. Oberbürgermeisterin Seelbinder appellierte an alle Marktredwitzer, gleich welcher Nation, "geschlossene Gesellschaften" und "Grüppchenbildung" zu vermeiden, wenn es um das Zusammenleben aller gehe.
"Einfache Angebote nutzen", empfahl Pfarrerin Tanja Vincent und erinnerte an das gemeinsame, öffentliche türkische Festessen in der Fußgängerzone zum Ende des Ramadans und an die regelmäßigen, zwanglosen Treffen des Interkulturellen Frauenkreises. Auch Dr. Peter Gelius war davon überzeugt, dass Integration nicht auf politischer oder religiöser, sondern vor allem auf menschlicher Ebene vonstatten gehe. Die Schlüsselqualifikation an sich, so der Tenor, sei jedoch die Sprache. Hier seien wiederum alle gefordert, Familien, Kindergärten, Schulen und nicht zuletzt der Gesetzgeber.
Vielleicht wird dann auch einmal der Anteil der Gymnasiasten mit Migrationshintergrund größer: Am Otto-Hahn-Gymnasium sind es derzeit nicht einmal vier Prozent. U. G.
FRANKENPOST 27.07.2010

 

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