Ursprünglich stammt die Idee von der Marktredwitzer Stadtarchivarin Edith Kalbskopf. Umgesetzt aber wurde sie von Sebastian Macht, aktiver Kommunalpolitiker und Geschichtslehrer am Otto-Hahn-Gymnasium.
Macht leitet am Marktredwitzer Gymnasium den Wahlkurs "Politik und Zeitgeschichte". Für die 13 Schüler der Klassen acht bis zehn wurde der Kurs in den letzten Monaten eine lebendige Begegnung mit der jüngsten Geschichte Deutschlands. Ausführlich befassten sie sich mit dem Mauerfall, konkreten Begegnungen von Menschen aus Ost und West in Marktredwitz, und interviewten Zeitzeugen, die vor 20 Jahren in der Stadt dabei waren, als die ersten Flüchtlinge zu Tausenden in die Stadt strömten. Und da die Stadtarchivarin damals schon die Ausstellung "20 Jahre Mauerfall" plante, wurden die Beiträge der Schüler Bestandteil der Dokumentation.
Einige von ihnen befragten ihre Eltern, Großeltern, Zeitzeugen wie die Stadtratsmitglieder und Pädagogen Ute Seelhorst und Karl Bröckl, die vor 20 Jahren bei der Auszahlung des "Begrüßungsgeldes" aktiv dabei waren.
Eigene Führungen
Natürlich, bekräftigt Macht, war das Ganze eingebettet in den Geschichtsunterricht, in dem auch alte Zeitungsartikel aus der Frankenpost verwendet wurden. "Die Jugendlichen, die damals noch nicht auf der Welt waren, erlebten durch die Erzählungen nicht abstrakte, sondern greifbare Geschichte," sagt Macht. Das habe sich auch im Unterricht positiv ausgewirkt. Die Schüler geben ihr Wissen auch bei Führungen mit anderen Schulklassen weiter.
Geschichtslehrer Sebastian Macht mit drei seiner Schüler (von links): Nina Beck, Toni Sticht und Timo Kellner in der Ausstellung im Historischen Rathaus.
Der 9. November
Der 9. November ist ein Schicksalstag für Deutschland. Darüber findet auch im Otto-Hahn-Gymnasium eine Ausstellung statt. An diesem Tag wurde 1918 die Republik ausgerufen, 1923 gab es den ersten Putsch durch Hitler, 1938 folgte die Reichs-Pogromnacht und 1989 der Mauerfall. Die Ausstellung im Historischen Rathaus ist bis 15. November unter der Woche von 14 bis 18, am Wochenende von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Von Herbert Scharf