Eintauchen in fremde Welten und sie verstehen lernen - dafür setzt sich diese Projektgruppe des OHG zusammen mit Studienrat Andreas Vogel (rechts) ein. Foto: zys
Im Mittelpunkt des OHG-Schulfestes stehen Integration und Migration. Eine Gruppe engagierter Schüler will mithelfen, andere Kulturen besser kennen- und verstehen zu lernen.
Von Peggy Biczysko
Falafel statt Waffeln, Backgammon statt Bobbycar-Rennen und Ayran statt Cocktails. Die Beschäftigung mit kulinarischen Köstlichkeiten wie dem anatolischen Yoghurt-Getränk, mit Spielen und der Kultur fremder Länder soll helfen, dass die Länder eben nicht mehr so fremd sind. Dazu leistet eine Projektgruppe des Otto-Hahn-Gymnasiums einen wichtigen Beitrag. Kim Stellmann, Florian Zeitner und ihre Mitschüler haben sich in einem Geografie-Seminar seit Anfang Februar viele Gedanken darüber gemacht, wie Integration gelingen mag. Am morgigen Samstag steht das Thema Migration im Mittelpunkt des Schulfestes.
Auf ihrer Spurensuche stießen die Jugendlichen auf allerhand Vorurteile. So glaubten in einer Umfrage fast 50 Prozent der Schüler am Otto-Hahn-Gymnasium, dass Ausländer eher zu Gewalt neigten. Für die jungen Forscher in Sachen Annäherung und Zusammenwachsen ein Paradebeispiel, dass sie mit ihrem Vorstoß voll ins Schwarze getroffen haben. Und dass es hier noch eine Menge zu tun gibt, um die Vorurteile über Bord zu werfen.
Lehrer Andreas Vogel ist stolz auf seine engagierte Truppe, die gestern in einem Pressegespräch die Früchte ihrer Arbeit präsentierte: "Alle haben sehr viel Eigeninitiative während des Projekt-Seminars an den Tag gelegt." Steffen Bruckner, Andreas Martin und Robin Küspert traten erstmals als Filmemacher in Aktion. Was dabei herausgekommen ist, wird den Besuchern morgen in einem 13-Minuten-Beitrag präsentiert. Ob Oberbürgermeisterin Birgit Seelbinder, Pfarrerin Tanja Vincent oder Celal Öztürk - sie alle schildern in Interviews ihre persönliche Einstellung zu Integration und Zusammenwachsen verschiedener Kulturen.
Dass Handlungsbedarf nicht nur im Schmelztiegel Berlin besteht, sondern auch im vergleichsweise kleinen Marktredwitz, zeigt die Zahl, die Seelbinder in dem Film auf den Tisch legt: "Bei uns leben 2660 Menschen mit Migrationshintergrund." 30 Prozent davon seien Kasachen, 21 Prozent Türken und zwölf Prozent Russen, um nur jene aufzuzählen, deren Anteil am größten ist. Und deren Kinder besuchten natürlich die Schulen in der Stadt. Von den 507 Grundschülern sind laut Rektor Winfried Kneissl 31,6 Prozent Migrantenkinder. Im Vergleich zum Otto-Hahn-Gymnasium ist das eine ganze Menge. Denn es sind nur knapp vier Prozent der Gymnasiasten, die keine deutsche Staatsangehörigkeit haben. Und die Hälfte davon kommt aus Ländern der EU.
Das Fazit der Projektgruppe: "Kommunikation ist ein wichtiger Baustein der Integration. Und die Sprache ist der Schlüssel dazu." Die Arbeit der Jugendlichen ist damit längst nicht zu Ende. Vorurteile lassen sich nur langsam abbauen.
FRANKENPOST 23.07.2010