„Das bisschen Haushalt“ - ein Schlager, der immer noch aktuell ist: mit Johanna Spörrer, Antonia Plobner, Laura Weiß, Jan-Frederik Spörrer und Amelie Troesch (von links).
Wegen der großen Resonanz gibt es das Sommerkonzert des OHG heuer gleich zweimal. Die 250 Mitwirkenden sind mit Können und viel Herzblut dabei.
„Unsere Konzerte werden mittlerweile als kulturelles Ereignis in der Region wahrgenommen“, würdigte Oberstudiendirektorin Gertraud Nickl zu Beginn des Sommerkonzerts die gemeinsame Leistung von Schülern und Musiklehrern des Otto-Hahn-Gymnasiums. Angesichts des ständig wachsenden Zuspruchs in den letzten Jahren sah man sich diesmal sogar genötigt, den sommerlichen Musikgenuss an zwei aufeinander folgenden Abenden anzubieten. Beide Male war die große Schulaula bestens gefüllt.
Einen enormen Entwicklungssprung haben die ersten beiden Jahrgänge des musischen Zweigs vollzogen. Dank der gezielten Stimmbildung durch Gesangslehrerin Uschi Steppert und der engagierten Chorleitung Werner Stehbachs beeindruckte der Unterstufenchor, begleitet vom Orchester, mit glasklarer Artikulation sowie sicherer Mehrstimmigkeit - und hatte beim Lied über das Lama, das nicht spucken kann, zudem die zum Text passende Mimik im Repertoire. Das Soloensemble des Unterstufenchors meisterte die Stücke "Viele verachten die edele Musik" und "Sing dein Lied, du liebe Nachtigall" a cappella.
Zum Dahinschmelzen
Die Schulcombo unter der Leitung des scheidenden Kollegen Florian Simeth bewies mit swingenden Titeln wie "Hello Dolly" oder "Tuxedo Junction" Temperament und Rhythmus, genauso wie die Big Band, für die Musiklehrer Andreas Krauß wieder passgenau arrangiert hatte: Vor allem bei "Main Theme of Pulp Fiction" kamen auch die Instrumentalsolisten Angelika Schubert und Laura Weiß (beide Saxophon), Stefanie Marschner (Klarinette), Martin Söllner (E-Gitarre) und Benedikt Geiger (Trompete) zum Zuge.
Sehr gefühlvoll und mit gewohnt perfekter Intonation interpretierte der "Grundkurs Chor and Friends" unter der Leitung von Werner Stehbach Stücke von John Rutter und Johannes Brahms. Diese zum Dahinschmelzen schöne Atempause genossen die Zuhörer bei "The Lord bless you and keep you", "Home is a special kind of Feeling" und "Da unten im Tale". Das Schulorchester trieb dem Publikum mit der grandiosen Filmmusik zu "Fluch der Karibik" die Rührseligkeit jedoch rasch wieder aus, ehe die Solisten Johanna Troesch, Nina Beck, Noor Schukur, Laura Weiß, Antonia Plobner, Amelie Troesch und Jan-Frederik Spörrer tief in die Trickkiste längst vergangener deutscher Schlagerherrlichkeit griffen. Da gab es nicht nur eine unglaubliche Performance rund um den Flügel, an dem Andreas Krauß seine Schützlinge begleitete, sondern auch stilechte Accessoires: "Eulenbrillen" á la Nana Moskouri bei "Weiße Rosen aus Athen", Staubwedel und Schürzchen bei "Das bisschen Haushalt" und vieles mehr.
Spörrers großer Auftritt
Das Publikum bejubelte noch diese alten Schlager, die reichlich mehr an Jahren aufweisen als die jungen Solisten, als es schon nahtlos mit Hits aus der gleichen "Epoche" weiterging, wenn auch ernsthafter. "Ein bisschen Frieden" forderten Kammerchor und BigBand und mahnten ähnlich wie weiland Michael Holm "Tränen lügen nicht!" Das Finale kündigte sich - viel zu früh - mit dem unverwüstlichen "Ich war noch niemals in New York" von Udo Jürgens an. Hier hatte Jan-Frederik Spörrer, langjähriger Gesangssolist und Abiturient, noch einmal einen großen Auftritt.
An dieser Stelle ergriff Gertraud Nickl erneut das Wort und verabschiedete den in den Ruhestand tretenden Studiendirektor Herbert Freitag (siehe auch Bericht unten). Vor allem ihm war das Schlusslied "Irische Segenswünsche" gewidmet. Herbert Freitag brachte es humorvoll auf den Punkt: "Ich habe meine Arbeit gern getan, aber das Alter fordert seinen Tribut. Und bevor die Urenkel meiner ersten Schüler hier auftauchen, ist es Zeit zu gehen!"
Mit stehenden Ovationen zeigte das Publikum seine Freude an den Leistungen der 250 jungen Leute, die sich mit viel Können, Herzblut und engagierten Musikpädagogen im Rücken einmal mehr selbst übertroffen haben. U. G.
Stimmungsvoll illuminierten die Mitwirkenden den Hit "Ich war noch niemals in New York" von Udo Jürgens. Fotos: Geiger
FRANKENPOST 30.07.2010