Der letzte Jahrgang des neunjährigen Gymnasiums verlässt die Schule

Für einige Blitzstart ins Studium

Es war eine ganz besondere Feier: Weil die letzten Abiturienten des neunjährigen Gymnasiums nicht vor dem zweiten Mai offiziell ihr Zeugnis bekommen dürfen, damit ihre Eltern weiter Kindergeld beziehen können, nannte Oberstudiendirektorin Gertraud Nickl den Abschiedsabend in der Aula des Otto-Hahn-Gymnasiums am vergangenen Freitag ein „Familienfest“, in dessen Verlauf, wie sie sich ausdrückte, „die Schule den Abiturienten, den Angehörigen und Freunden in einem festlichen Rahmen Glückwünsche und Dank ausdrücken möchte!“
In ihrer Abiturrede ging die Schulleiterin dementsprechend auf die besondere Situation dieses Jahrgangs ein: Zwar habe sich das Gerücht, es könne wegen der Inkompatibilität von acht- und neunjährigem Gymnasium „ohnehin keiner durchfallen“ hartnäckig gehalten, doch was sei in der Realität an der Tagesordnung gewesen? „In der Pubertät einmal durchhängen – Fehlanzeige. Freiwillig zurücktreten – Fehlanzeige. Dafür keine neuen Lehrbücher, manchmal gar keine.“ Und nun folge ein Schnellstart ins Studium schon am zweiten Mai oder eine Wartezeit von über einem halben Jahr. Und immer würden die jetzigen Absolventen mit denen des achtjährigen Gymnasiums, die in wenigen Wochen verabschiedet werden, das gemeinsame Schicksal des „Doppeljahrgangs“ tragen und zwangsläufig miteinander konkurrieren müssen. Danach kämen noch weitere Doppeljahrgänge bundesweit. „Hierin“, so Nickl, „liegt wohl der einzige Vorteil der überstürzten Einführung des G8 in Bayern: Ihr seid zumindest an der Spitze des Problems.“
Dennoch, blickte die Schulleiterin weiter in die Zukunft, werde sich wie jedes Jahr ein neuer Lebensabschnitt für die Abiturienten auftun, der von individueller Orientierung, neuen Chancen, ungeahnten Dimensionen und Herausforderungen gekennzeichnet sei. Und wie immer würden der Charakter des Einzelnen, seine Tugenden und Talente, seine Selbständigkeit, sein „Erwachsensein“ den Ausschlag für Erfolg oder Misserfolg geben. Viel Lob hatte Gertraud Nickl bereits jetzt für die jungen Menschen dabei: Die meisten seien engagiert und leistungsbereit, oft auch getragen von einem unterstützenden familiären Hintergrund. Zwölf der 92 Absolventen dieses Jahres haben eine Abiturnote von 2,0 und besser erreicht (siehe Kasten); die beiden besten waren Hubertus Grillmeier mit 1,4 und Christian Bächer mit 1,5. Alle Abiturienten ermutigte Nickl schließlich, nach dem ureigenen Sinn ihres Lebens zu suchen, Neues zu wagen und Verantwortung zu übernehmen: „Gottes ist Woge und Wind. Aber Segel und Steuer, dass ihr den Hafen gewinnt – sind euer!“
Stellvertretender Landrat Horst Weidner und die Marktredwitzer Stadträtin und Schulreferentin Ute Selhorst, die als Vertreter der Kommunalpolitik ans Rednerpult traten, betonten die Bedeutung einer guten Ausbildung im Allgemeinen und erläuterten, wie Stadt und Landkreis dies praktisch umsetzen würden. So wolle man nicht nachlassen, Marktredwitz als die Schulstadt der Region auszubauen und nach der bereits genehmigten Berufsoberschule auch hartnäckig um eine Fachhochschule kämpfen. Beide wiesen auf den großen Bedarf an Fachkräften, auf die beruflichen Chancen auch für Akademiker und auf die hohe Lebensqualität in unserer Region hin.
Sebastian Macht, der für den Förderverein sprach, ging ebenfalls auf die besondere Lage dieses letzten G 9-Jahrgangs ein und ermutigte zu gesellschaftlichem Engagement. Wie immer hatte er für jeden Abiturienten ein Mitbringsel dabei; diesmal war es ein Aufkleber mit einem entsprechend zu interpretierenden Bibelzitat: „Die Letzten werden die Ersten sein!“
Die Glückwünsche des Elternbeirats überbrachte Vorsitzende Friederike Ernstberger.
Bei der anschließenden Ehrung der besten und vieler im Schulleben engagierter Abiturienten (siehe Kasten) gab es zwar aus den oben genannten Gründen noch kein Zeugnis, jedoch neben Urkunden und Buchgeschenken für jeden eine kleine „Wundertüte“ mit Erinnerungen an die vergangene Schulzeit, wie Kollegstufenkoordinator Siegfried Bleier ankündigte.
Die traditionelle Abiturrede der Schüler hatten Lisa Gravogl und Kollegstufensprecher Benedikt Geiger übernommen: Mit einem viel beklatschten humorvollen „Anspiel“ thematisierten auch sie das nicht immer unproblematische „Zusammenleben“ des doppelten Abiturjahrgangs G8/G9, bevor Lisa Gravogl harte Fakten nannte: Obwohl seit Jahren zum Beispiel klar sei, dass es für die bayerischen Abiturienten 2011 zu wenig Studienplätze und Wohnungen geben würde, sei von staatlicher Seite fast nichts getan worden. Schüler und Lehrer seien außerdem in den letzten Schuljahren alleine gelassen worden: „Da standen wir nun: Ein Jahrgang, der irgendwie noch über die Bühne gebracht werden musste, bevor das 'bessere' Schulsystem endlich da war...“ Ein versöhnlicher Abschluss sollte es am Freitag trotzdem werden, und dafür sorgte auch der Rückblick auf die Kollegstufenzeit, den Benedikt Geiger vornahm: Gemeinsame Aktionen und Feste, den individuellen Umgang mit Facharbeits- und Lernstress, ehrgeizige Projekte wie die aufwändige Abiturzeitung, die in Rekordzeit fertig gestellt worden war und vieles mehr ließ er Revue passieren. Und trotz aller Erleichterung, es nun endlich geschafft zu haben, waren sich die Abiturienten am Schluss einig: „Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich lange darauf gefreut hat.“ Nach dem gemeinsamen Lied „It's my life“ (vorher hatte bereits eine kleine Jazzcombo immer wieder für Stimmung gesorgt) wartete in der Mensa ein üppiges Buffet, das die Abiturienten mit den Erträgen ihrer „Kursfeten“ finanziert hatten. Bei bester Stimmung wurde den ganzen Abend noch kräftig weitergefeiert. Uschi Geiger
FRANKENPOST 02.05.2011

Ehrung der Besten

Als beste Absolventen des Abiturjahrgangs 2011 wurden geehrt:
Hubertus Grillmeier (1,4), Christian Bächer (1,5), Joachim Kaiser (1,6), Julia Stoof (1,6), Maximilian Appis (1,7), Benedikt Grüner (1,7), Elena Michel (1,7), Henriette Sierotta (1,7), Lisa Gravogl (1,8), David Schafhauser (1,8), Benedikt Geiger (2,0), Maria Märkl (2,0) und Laura Stark (2,0).

Urkunden und Preise gingen an:

Hubertus Grillmeier (als Anerkennung für sehr gute Leistungen in der Abiturprüfung Abiturientenpreis 2011 und Mitgliedschaftsurkunde der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, e-fellows.net-Stipendium und Urkunde, Ehrung durch die Stadt Marktredwitz und den Elternbeirat), Christian Bächer ( als Anerkennung für sehr gute Leistungen in der Abiturprüfung Abiturenten-Preis 2011 und Mitgliedschafts-Urkunde der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, als Jahrgangsbester 2011 in Mathematik Buchpreis und Mitgliedschaftsurkunde der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, e-fellows.net-Stipendium und Urkunde, Ehrung durch die Stadt Marktredwitz und den Elternbeirat), Joachim Kaiser (als Anerkennung für hervorragende Leistungen im Fach Physik Abiturientenpreis 2011, Mitgliedschaftsurkunde und Buchgeschenk der Deutschen Physikalischen Gesellschaft), Dominik Schraml (als Anerkennung für sehr gute Leistungen im Fach Physik Abiturientenpreis 2011 und Mitgliedschaftsurkunde der Deutschen Physikalischen Gesellschaft), Maximilian Appis (als Anerkennung für sehr gute Leistungen im Fach Physik Abiturientenpreis 2011 und Mitgliedschaftsurkunde der Deutschen Physikalischen Gesellschaft), Dominique Zeus (als beste Abiturientin mit dem Leistungskursfach Biologie Bio-Zukunftspreis 2011 mit Buchgeschenk und Urkunde der Stiftung „Natur – Mensch – Kultur“), Theresa Ernstberger (als Jahrgangsbeste im Fach Chemie GDCh-Preis 2011 mit Buchgeschenk und Urkunde, Buchgutschein für langjähriges Mitwirken im Orchester), Benedict Grüner (als Anerkennung für die beste Leistung im Fach Latein 2011 goldene Anstecknadel vom Deutschen Altphilologenverband Oberfranken), Katharina Birner (Buchgutschein für langjähriges Mitwirken im Chor), Ann-Kathrin Dittrich (Buchgutschein für langjähriges Mitwirken im Chor), Benedikt Frey (Buchgutschein für langjähriges Mitwirken im Chor), Lisa Fürbringer (Buchgutschein für langjähriges Mitwirken im Chor), Markus Fütterer (Buchgutschein für langjähriges Mitwirken im Chor), Benedikt Geiger (Buchgutschein für langjähriges Mitwirken im Orchester, Barpreis und Urkunde für herausragende Leistungen als Kollegstufensprecher), Elena Michel (Buchgutschein für langjähriges Mitwirken im Chor), Tamara Peschel (Buchgutschein für langjähriges Mitwirken im Chor), Daniela Pöhlmann (Buchgutschein für langjähriges Mitwirken im Chor), Michael Schneider (Buchgutschein für langjähriges Mitwirken im Orchester), Anna-Lisa Seiler (Buchgutschein für langjähriges Mitwirken in Chor und Orchester), Lukas Fikentscher (Barpreis und Urkunde für herausragende Leistungen als Kollegstufensprecher).

Für die besten Facharbeiten wurden geehrt:

Henriette Sierotta und Elena Helfrecht (Deutsch), Noor Schukur, Benedict Grüner und Lukas Fikentscher (Englisch), Maria Märkl (Französisch), Laura Stark und Nina Vornberger (Kunst), Nicole Purucker (Geografie), Lisa Völkl (Wirtschaft/Recht), Hubertus Grillmeier (Mathematik), Julia Schübel und Dominique Zeus (Biologie), Markus Ebert und Dominik Schraml (Chemie), Joachim Kaiser ( Physik), Jens Wegmann (Sport).

Ein Interview mit Hubertus Grillmeier und Christian Bächer, den beiden besten Absolventen des Abiturjahrgangs 2011 am Otto-Hahn-Gymnasium:

Hubertus Grillmeier

Hubertus Grillmeier

Im Moment sei er relativ gelassen, meint der Marktredwitzer Hubertus Grillmeier, der mit einer Durchschnittsnote von 1,4 als Primus seines Jahrgangs die Schule verlässt. „Es dauert wohl noch ein wenig, bis ich das alles realisiert habe.“ Sein gutes Abitur führt er auch auf seinen Lernstil zurück, den er selbst als kontinuierlich und nicht übertrieben aufwändig bezeichnet. Man müsse eben immer mitarbeiten und vor Prüfungen „etwas mehr Gas geben“, das sei das unspektakuläre Geheimnis des Erfolgs. Grillmeier, der schon am 02. Mai in Erlangen mit dem Studium der Wirtschaftsmathematik beginnt und seine Hobbys Musik und Computer auch in Zukunft nicht vernachlässigen will, möchte an diesem letzten Abend in der Schule auch Danke sagen: Den Lehrern, von denen Oberstudienrat Pfarrer Jürgen Herr sein Favorit war („überzeugend, authentisch!“), und ebenso seinen Mitschülern, in deren Gemeinschaft er sich sehr wohl gefühlt habe. Grillmeiers Philosophie fürs Leben: „Long is the way that out of hell leads up to the light!

Christian Bächer

Christian Bächer, der mit der Abiturnote 1,5 seine Schulzeit abschließt, ist an diesem Abend „überglücklich“, wie er sagt. Auch er habe während der vergangenen Jahre kontinuierlich gelernt, viel geübt, wie sein Kollege Grillmeier jedoch auch das sonstige Schulleben mit Fahrten und gemeinsamen Festen als Ausgleich sehr genossen. Für ihn war Studienrat Peter Weyer der beste Lehrer: „Die Art, wie er den Lehrstoff 'rüberbringt, ist schon klasse!“ Sport und Musik sind Bächers Hobbys, denen er sich zumindest noch bis zum Herbst ausführlich widmen kann. Denn ganz oben auf seiner Wunschliste steht ein Medizinstudienplatz, auf dessen Vergabe er auf jeden Fall bis zum Wintersemester warten muss und damit zwangsläufig in die harte Konkurrenz zum ersten G8-Jahrgang gerät. Auch sein Dank gilt jedoch an diesem Abend noch einmal den Lehrern, die das Beste aus der Situation gemacht haben und den letzten G9-Jahrgang mit viel Einsatz betreut haben.

Christian Bächer

 

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