Hans-Ottmar Donnert und Norbert Leeb wollen keine Zwitterschule. Genau diese befürchten die beiden Leiter der Marktredwitzer Berufsschule und des Otto-Hahn-Gymnasiums, wenn die Pläne des Landkreises verwirklicht werden. Wegen des Wasserschadens am Langbau des Gymnasiums hat der Schulausschuss ersonnen, den Bau um ein Stockwerk aufzustocken und darin zunächst Klassenzimmer für die Fachoberschule zu schaffen. „Das wäre aber genauso, als wenn meine Familie Zuwachs erwartet und ich deshalb beim Nachbarn anbauen würde“, sagte Donnert. Aus pädagogischer und organisatorischer Sicht meldeten Donnert und Leeb eigenen weiteren Raumbedarf für ihre Schulen an. „Ambesten wäre es, wenn an beiden Schulen angebaut würde“, sagte Donnert. Laut Norbert Leeb benötigt das Otto-Hahn-Gymnasium sieben zusätzliche Räume. Dies vorallem, da zum einen das stark differenzierte G-8 neue Ansprüche an den Unterricht stellt (Intensivierungsstunden) und wegen des erfolgreichen musischen Zweiges. „Daher sollten mindestens fünf schalldichte Musikkabinen für den Einzelunterricht der bis zu 100 Schüler dieses Zweiges geschaffen werden.“ Wie Leeb sagte, bleibt die Schülerzahl am OHG mindestens noch die kommenden sechs Jahre auf dem hohen Niveau wie bisher. Über eine wachsende Schule freut sich auch Hans Ottmar Donnert.
Die Fachoberschule und die ab September startende Berufsoberschule werden im Endausbau18 Klassen bilden, für die der Schulleiter den Bedarf von17 Klassenzimmern und elf zusätzlichen Räumen wie Lehrerzimmer, Werkstätten oder Vorbereitungsräume ermittelt hat. Im kommenden Schuljahr werde die Berufsoberschule mit drei Klassen in freien Räumen der Alexander-von-Humboldt-Mittelschule starten, sagte Donnert. „Daran sieht man, dass wir durchaus Synergieeffekte nutzen.“ Der Schulleiter gab zu bedenken, dass die Klassen der Fachoberschule zum Teil in Containern und Räumen der Berufsschule untergebracht seien. „Dies hat zur Folge, dass unsere Hauswirtschaftsklassen keine eigenen Klassenzimmer mehr
Nutzen können.“ Die Marktredwitzer Oberbürgermeisterin Dr. Birgit Seelbinder hatte für die Anliegen der Schulleiter Verständnis. „Es kann nicht unser Interesse sein, die Schultypen zu vermischen. Beide müssen sich entwickeln können.“ Ärgerlich registrierte sie, dass das Otto-Hahn-Gymnasium wegen der Raumnot gezwungen sei, die Räume der Mittagsbetreuung für den normalen Unterricht nutzen zu müssen. „Nicht nur die, wir belegen auch Teile der Bibliothek und der Werkräume. All das ist pädagogisch sicherlich nicht sinnvoll“, sagte Norbert Leeb. Der stellvertretende Leiter des Otto-Hahn-Gymnasiums appellierte an den Kreisausschuss, im Sinne der heutigen Schüler nicht abzuwarten, bis in vielen Jahren die Demografie die Raumprobleme löst. Das Schild deutet es an, dass Klassenzimmer beider
Schulen künftig teilweise im Gebäude des Gymnasiums untergebracht werden können. Foto: Matthias Bäumler
FRANKENPOST 21.06.2011