Benedikt Geiger und Svenja Maaske werden von Oberstufenbetreuer Siegfried Bleier auf das Abitur am Otto-Hahn-Gymnasium vorbereitet. Foto: Beck
Fächer, in denen die G 9-Absolventen kein Abitur schreiben, müssen ab sofort nicht mehr besucht werden. Es gibt entspanntere Vorlesungen beim Frühstart an der Uni.
Am Freitag hat offiziell die Vorbereitungszeit für das G 9-Abitur begonnen. Seit diesem Tag müssen die Schüler der K 13 nicht mehr in die Unterrichtsstunden der Fächer, in denen sie nicht Abitur schreiben. Das ist eine große Erleichterung, denn so haben die Schüler mehr Zeit zum Lernen zur Verfügung. Svenja Maaske und Benedikt Geiger erzählen, was für ihren Jahrgang bis zum Abitur noch alles ansteht und wie es danach weitergehen wird.
Svenja selbst hat sich einen Lernplan zusammengestellt, nach dem sie sich mit Hilfe von Heft-Einträgen, Büchern und Notizen auf die Prüfungen vorbereitet. "Man muss halt irgendwie versuchen, das Wissen der letzten zwei Jahre in den Kopf zu bekommen." So geht es ihrem ganzen Jahrgang. Dieses Jahr kommt es wahrscheinlich mehr als je zuvor darauf an, wie man im Abitur abschneidet. Denn der Doppel-Jahrgang verstärkt die Jagd auf die Studienplätze. Um hier für Entlastung zu sorgen, wurde das G 9-Abitur auf März vorverlegt, sodass die Schüler ihr Studium noch im Sommersemester beginnen können. Doch viele werden diese Gelegenheit wohl nicht nutzen. "Meines Wissens sind es eigentlich nicht sehr viele, die im Sommersemester anfangen wollen. Zum einen, weil teilweise die Studiengänge, die sie studieren wollen, nicht angeboten werden, oder weil die NC-Fächer wie Medizin eh erst im Wintersemester beginnen, zum anderen, weil man nach dem ganzen Abi-Stress auch erst mal eine Zeit lang entspannen will und nicht gleich wieder in der Uni durchstarten möchte", weiß Svenja.
Diejenigen, die sich dennoch dafür entschieden haben, im Sommer zum Studieren anzufangen, sehen jedoch auch Vorteile. Zunächst lägen zwischen dem Abitur und dem Studienbeginn mehr als sechs Monate. "Außerdem hat man die Möglichkeit, durch das eingesparte halbe Jahr getrost ein Urlaubs-Semester einzulegen", erklärt Benedikt. Ein weiterer Punkt sind auch die entspannteren Vorlesungen, da die Hörsäle nicht so überfüllt sind, wie im Herbst, meint er. Denn es stürmten nicht nur die Absolventen des Doppel-Jahrgangs an die Unis, "sondern es fällt nun ja auch der Bundeswehrdienst weg", gibt Benedikt zu bedenken.
Offiziell sollte dieser Jahrgang sein Abiturzeugnis am 2. Mai erhalten. So wäre aber die rechtzeitige Einschreibung an den Universitäten nicht mehr möglich gewesen. Deshalb wurde den Schülern bereits am 23. Dezember ein Bewerbungszeugnis überreicht, welches sie an den Unis vorlegen können. Eine Art Abiturverabschiedung findet am 29. April statt, jedoch werden die richtigen Abiturzeugnisse erst am 2. Mai im Sekretariat ausgegeben.
Bei der Umstellung von G 9 auf G 8 wird es natürlich problematisch, wenn ein Schüler das Abitur nicht besteht oder nicht zugelassen wird. Aber auch hierfür gibt es schon eine Lösung. "Vor dem Abi kann man, wenn man bis zu drei ,Unterpunktungen' zu viel hat, für diese drei Einbringungen eine Feststellungsprüfung machen. Wenn man das Abitur nicht bestanden hat, kann man es schon im Herbst nachholen", berichtet Benedikt. Ansonsten muss man zurück in die Q 11 und die ganze Qualifikationsphase durchleben. Nina Beck
FRANKENPOST 21.02.2011
Denis Thillmann und Nina Wohlrab gehören zu den Versuchskaninchen, dem ersten G 8-Jahrgang, der in diesem Jahr Abitur macht. Foto: Nina Beck
Für die G 8-Abiturienten geht es in die heiße Phase. Bis zum April müssen die Absolventen, die sich mehr gefordert sehen als die G 9-Abiturienten, noch viele Klausuren schreiben.
Bald geht es für den ersten G 8-Jahrgang in die Endrunde. Im kommenden Mai beginnt das Abitur, bei dem sich zeigen wird, ob das neue Schulsystem erfolgreich ist. Es liegen also hohe Erwartungen auf den Schülern. Stellvertretend für den Jahrgang der Q 12 am Otto-Hahn-Gymnasium erzählen die Schüler Nina Wohlrab und Denis Thillmann im Gespräch mit der Frankenpost, wie das Leben in der neuen Oberstufe, der Qualifikationsphase, aussieht.
Dass sich die Schüler der Q 12 wie Versuchskaninchen vorkommen, zeigte schon das Thema ihres Faschingswagens 2010. Ein Teil der Schüler verkleidete sich als Hasen, der Rest als Mitarbeiter des Ministeriums, die als verrückte Professoren dargestellt wurden und ihre Experimente an den Tieren durchführten.
Dass sie der erste Jahrgang des neuen Schulsystems sind, wird den Schülern auch anhand der Seminare bewusst. Diese sind etwas ganz Neues an den bayerischen Gymnasien, und auch die Lehrer haben damit noch keine Erfahrung. So fehlten auch zur Gestaltung und Notengebung die Vorgaben. Die Unterschiede waren deutlich, und auch die Noten, die die Schüler erhalten haben, konnten sie nicht immer nachvollziehen. "Die Lehrer waren mit der neuen Situation auch überfordert", erzählt Nina.
Es gibt auch zu wenig Studienplätze für die Zahl der abgehenden Schüler. Doch die Sorgen darum werden hintangestellt, denn jetzt steht noch einmal eine stressige Zeit an: Bis in den April hinein müssen die Abiturienten noch Klausuren schreiben. Und für Denis steht zudem die Organisation der Abi-Zeitung an. "Da hat es die K 13 doch schon besser!", findet er. "Die Schüler müssen jetzt schon nicht mehr in die Fächer gehen, in denen sie nicht Abitur schreiben. Bei uns heißt es, dass wir das erst eine Woche vorm Abi dürfen!" Dass sie dabei auch noch eine deutlich höhere Wochenstundenzahl haben, verstimmt die Schüler der Q 12 erst recht.
Aber dennoch lassen sich die Schüler nicht unterkriegen und sehen in dem neuen Schulsystem auch einige Vorteile. "Wir werden gut auf das Arbeiten an der Uni vorbereitet. Und dass wir beim Ende unseres Studiums so jung sind, wird später auch nur von Vorteil sein", meint Denis. "Außerdem sind die Seminare eine gute Neuerung und machen wirklich Spaß." Eine weitverbreitete Meinung ist auch, dass beim ersten G 8-Abitur niemand durchfallen wird. "Man könnte sonst ja meinen, dass das Schulsystem gescheitert sei", so Nina. "Das werden die im Ministerium schon nicht zulassen."
Auch wenn die Zeit immer enger wird, bleiben die Schüler gelassen. Für einige ist schon klar, was sie nach dem Abitur machen wollen. Denis sieht sich schon als Lehrer für Mathematik und Physik vor einer Schulklasse stehen. Angst, keinen Studienplatz zu bekommen, hat er nicht. "Ich möchte schließlich ein Fach studieren, das nicht gerade das begehrteste ist", so der OHG-Absolvent. Und auch Nina weiß schon, wie es nach dem Abitur weitergehen wird. Sie wird ein Duales Studium bei Regensburg machen. Vor allem auf das Auslands-Semester freut sie sich schon sehr. "Aber letztendlich will ich doch in der Region bleiben", versichert die Schülerin. Nina Beck
FRANKENPOST 21.02.2011