Gegen die Mauer in den Köpfen

Johannes Pohl und Christopher Kauer hatten sich im Vorfeld schon mit der Ausstellung vertraut gemacht und gaben Detailinformationen zu einzelnen Ausstellungsstücken. Foto: Zintl

Eine Schule lässt Geschichte lebendig werden. Mit einer Ausstellung würdigt das Otto-Hahn-Gymnasium die deutsche Einheit.
Mit dem Deutschlandlied stimmte der Schulchor unter der Leitung von Werner Stehbach die Schüler und Gäste musikalisch darauf ein: Am Freitag wurde im Otto-Hahn-Gymnasium die Ausstellung "20 Jahre friedliche Revolution und Deutsche Einheit" eröffnet.
Oberstudiendirektorin Gertraud Nickl freute sich riesig, dass nun die Ausstellung zum Gedenken an den Prozess der Deutschen Einigung im OHG zu bewundern ist. Die Schulleiterin berichtete als Zeitzeugin. Sie unterrichtete damals im unterfränkischen Mellrichstadt, nur wenige Kilometer vom Grenzübergang Eußenhausen entfernt. "Jeden Morgen sah ich auf meinem Schulweg den Thüringer Wald und ärgerte mich über die Teilung Deutschlands, die mir den Horizont vernagelte."
Als die heutige Schulleiterin am Abend des 9. November 1989 in den Nachrichten von der Öffnung der Grenze hörte, konnte sie es kaum glauben. Am nächsten Morgen nutzte sie eine Freistunde, fuhr an den Grenzübergang, sah die ersten DDR-Bürger in Trabis, die genauso wie sie sehen wollten, ob die Grenze wirklich offen war. An diesem Tag musste Nickl nach Schulschuss einen Weg über die Dörfer nehmen, da die Straßen mit Trabis überfüllt waren. Und dieser Zustand dauerte bis Weihnachten. "Für mich und meine Familie", so Nickl weiter, "war das geeinte Deutschland von Anfang an frei von irgendeiner Mauer in den Köpfen." Zwei Kinder der Schulleiterin studierten in Jena und Leipzig, und die Sächsische Schweiz und die Ostsee sind beliebte Urlaubsziele der Familie. Zum Schluss ihrer Ausführungen sagte Gertraud Nickl zu den Schülern: "Ich fordere euch auf, die Einheit zu leben und ein freies Europa zu genießen."
Anschließend erläuterten Christopher Kauer und Johannes Pohl aus der Klasse 10c Details der Schlaglichter der Jahre 1989/90, die in der Ausstellung zu sehen sind. Unter anderem gingen die beiden Schüler auf die Fluchtbewegung, die Montagsdemo in Leipzig mit 70000 Teilnehmern sowie den 2+4-Vertrag und den Fall der Berliner Mauer ein. Nach dem Vortrag der beiden Schüler wurde die Ausstellung offiziell eröffnet. Oswald Zintl
FRANKENPOST 09.10.2010

 

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