Fast niemand kennt Ausländer

Mehrere Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums haben - unterstützt von Studienrat Andreas Vogel (rechts) - einen Integrationsplan ausgearbeitet. Foto: Bäumler

Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums erarbeiten einen Integrationsplan. Damit wollen sie Schüler mit Migrationshintergrund fördern und das Schulklima weiter verbessern.
Am Otto-Hahn-Gymnasium gibt es seit einigen Tagen einen Integrationsplan. Diesen haben die Schüler des P-Seminars "Migration und Integration" erarbeitet und Schulleiterin Gertraud Nickl übergeben.
Obwohl lediglich vier Prozent der 1030 Schüler Ausländer sind, halten es die Jugendlichen für notwendig, das interkulturelle Angebot an der Schule zu erweitern. Die elf Schüler des P-Seminars haben daher ein Konzept entwickelt, wie einerseits Jugendliche und Eltern aus verschiedenen Kulturen voneinander lernen können und andererseits das Sprachverständnis der Schüler mit Migrationshintergrund verbessert werden kann. "Von 1030 Schülern sind zwar nur vier Prozent Ausländer, allerdings gibt es etliche Schüler, die zwar die deutsche Staatsbürgerschaft haben, die aber aus Aussiedler- oder türkischen Familien stammen", sagt Florian Zeitner, der zusammen mit Kim Stellmann Sprecher des P-Seminars ist.
Wichtig ist den Schülern, dass es an der Schule selbstverständlich wird, über den Tellerrand hinauszublicken und andere Lebensformen zu akzeptieren. Im vergangenen Jahr organisierten die Teilnehmer des P-Seminars daher einen mulitkulturellen Tag mit Projekten und einer Podiumsdiskussion. "Ein derartiger Tag soll künftig einmal im Jahr stattfinden", sagt Kim Stellmann. Dieses Jahr wird er sich um den indischen Subkontinent drehen. In einer Fragebogenaktion unter allen Schülern haben die P-Seminaristen eruiert, wie die Gymnasiasten das Zusammenleben mit Ausländern beurteilen. Dabei haben sie Erstaunliches ermittelt. "Es hat uns verwundert, dass um die 50 Prozent aller Gymnasiasten überhaupt keinen Kontakt mit Ausländern haben", sagt Zeitner. Viele seien der Ansicht, dass Ausländer stärker zu Gewalt neigten als Deutsche.
Derartigen Vorurteilen soll mit Wissen begegnet werden. Nur wer Kontakt mit Ausländern habe, könne auch deren Kultur bewerten und sehen, dass diese das eigene Leben bereichern könne. Dies haben die P-Seminaristen selbst erlebt, etwa bei Begegnungen im interkulturellen Frauenkreis Marktredwitz.
Einen praktischen Nutzen hatte die Arbeit am Thema Integration für Kim Stellmann. "Ich habe dadurch zwei ausländische Familie in meiner Nachbarschaft kennen gelernt. Mit einem Mädchen aus einer der Familien lerne ich nun häufiger." Wie interkulturelles Lernen auch in der Schule alltäglich werden kann, haben Florian Zeitner und die übrigen Schüler in einem Konzept ausgearbeitet. Dieses beinhaltet ein interkulturelles Café, Kochkurse mit Eltern und Schülern sowie Ausflüge für die Schüler der Grundstufe. "Vor allem Ausflüge tragen dazu bei, dass sich die Kinder besser gegenseitig verstehen lernen. Ganz spielerisch wird dabei nebenher die Sprachfertigkeit geschult", sagt Kim Stellmann.
Den Jugendlichen ist klar, dass sich nicht alle der auf neun Din-A-4-Seiten beschriebenen Ideen im Schulalltag verwirklichen lassen. Aber als Denkanstöße seien sie gut geeignet. Eine Anregung wurde vor einiger Zeit am OHG umgesetzt: Einmal pro Woche erteilt eine Lehrerin ehrenamtlich Sprachförderunterricht für Schüler mit Migrationshintergrund.
Die Schüler des P-Seminars und ihr Lehrer Andreas Vogel wollen das Integrations-Konzept allerdings nicht nur in Zusammenhang mit ausländischen Schülern sehen. "Wir wollen, dass sich am OHG alle Kinder und Jugendlichen integriert fühlen", sagt Florian Zeitner. Er sei sich im Klaren darüber, dass sicherlich auch am Marktredwitzer Gymnasium einige Schüler andere hänselten oder ausgrenzten. Deshalb regen die P-Seminaristen an, eine Schulverfassung zu erarbeiten, in der Regeln für ein gutes Miteinander enthalten sind. Diese müssten alle neuen Schüler unterschreiben. Am Gymnasium gibt es mittlerweile einen Initiativkreis, der die Anregungen aus dem P-Seminar Migration und Intgration aufgreift und bearbeitet. "Immerhin soll die Arbeit der Schüler auch praktisch umgesetzt werden", sagt Lehrer Andreas Vogel. Matthias Bäumler
FRANKENPOST 31.01.2011

 

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