Die Ausstellung
Vor gut einem Jahr beschloss der Bayerische Landtag, einen Kulturtag an den bayerischen Schulen einzuführen, um unter anderem die Ergebnisse der geleisteten kulturellen Bildung einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Otto-Hahn-Gymnasium Marktredwitz vernetzte den ersten Termin des diesjährigen Sommerkonzerts kurzerhand mit einer Kunstausstellung in der Mensa und beging damit seinen ersten Kulturtag, zu dem Oberstudiendirektorin Gertraud Nickl Kollegen, Eltern und Schüler willkommen hieß.
Auf Tischen und an Stellwänden bot sich dem Betrachter eine Überfülle an Schülerwerken quer durch alle Jahrgangsstufen und Techniken, seien es Zeichnungen, Malereien, Linoldrucke, Plastiken, Mosaiken oder Modelle. Die beiden Kunstpädagogen der Schule, Studienrätin Maria Sertl und Fachbetreuer Oberstudienrat Fred Buchka sowie Zoula Fürst, die das Wahlfach Werkunterricht betreut, vermitteln ihren Schülerinnen und Schülern offensichtlich nicht nur das nötige Handwerkszeug, sondern regen sie auch zum Nachdenken, zu schöpferischem Mut und zur Auseinandersetzung mit den großen Künstlern aus Vergangenheit und Gegenwart an. So geht es zum Beispiel nie um bloßes Reproduzieren, wenn sich Schüler der Q11 da Vincis „Mona Lisa“ vornehmen: Mit dem Stilmittel der Anamorphose, also der Verzerrung, wagen sie einen von moderner digitaler Bildbearbeitung inspirierten, ein wenig respektlosen Blick auf das berühmteste Lächeln der Welt. Da gab es der Fotografin Georgia O’Keeffe gewidmete Blumenbilder, die wie Nahaufnahmen wirken, erstaunlich gut nachempfundene Hundertwasser-Bilder von Fünftklässlern, „Höhlenmalerei“ mit Gewürzfarben. Die siebte Klasse präsentierte originelle Dürer-Verfremdungen, die 10. Klassen empfanden den Expressionismus nach, während um die Ecke Jugendstil und Impressionismus á la Monet warteten. Einige Mutige wagten sich sogar an morphähnliche Abstraktionen, wie sie im Spätwerk Kandinskys zu finden sind. Große Faszination auf die Besucher der Ausstellung übten auch die Architekturentwürfe von Konzerthallen, Kongresszentren und ähnlichen Gebäuden aus, denen organische Formen zugrunde liegen. So mancher fühlte sich auch in Versuchung, die phantasievollen Hüte und Kopfbedeckungen aller Art aufzusetzen, die auf den Tischen drapiert waren: Wer möchte nicht einmal mit einem funktionstüchtigen Minispielplatz auf dem Kopf außer Haus gehen oder in der Öffentlichkeit als Karl Lagerfeld punkten?
Alles in allem wurde den jungen Kunstschaffenden des Otto-Hahn-Gymnasiums mit dieser Ausstellung eine längst überfällige Plattform geboten, auf der all die Zeit und Mühe, die Akribie, das Durchhaltevermögen und die immense Kreativität ihre verdiente Würdigung fanden.
Das Konzert
Rund 250 aktive Musiker, ein inspiriertes, mitreißendes Programm und ein begeistertes Publikum: Das ist auch 2011 das Fazit des traditionellen Sommerkonzerts im Otto-Hahn-Gymnasium, das wegen des immensen Besucheransturms wieder an zwei aufeinanderfolgenden Abenden aufgeführt wurde.
„Im wohl schwierigsten Schuljahr der letzten Zeit“, so Oberstudiendirektorin Gertraud Nickl in Anspielung auf den doppelten Abiturjahrgang, „hat uns die Musik mehrfach zu einer Gemeinschaft verbunden und uns einen Ruhepunkt gewährt.“ Das pädagogische Geschick der haupt- und nebenamtlichen Musiklehrer und die große Leistungsbereitschaft der Kinder und Jugendlichen verdiene volle Hochachtung.
Ungewohntes gab es gleich zu Beginn: Eine neu gegründete Percussioncombo improvisierte einen Mambo, unterstützt vom Instrumentalensemble und angeleitet von Lehramtsassessorin Marina Wildenauer, die als dritte hauptamtliche Musikpädagogin des Gymnasiums die musikalischen Schwerpunkte ihrer beiden Kollegen Stehbach und Krauß offensichtlich sehr harmonisch zu ergänzen weiß und, wie man hört, unter anderem auf eine langjährige Blasorchesterkarriere zurückblickt. Gewohnt schwungvoll präsentierten sich an diesem Abend die Instrumentalisten in Orchester, sei es in passgenau zusammengestellten Ensembles, als Orchester oder Big Band. So konnten die Zuhörer bei den „Beach-Boys-Hits“ alte Zeiten wiederauferstehen lassen, bei „You can leave your hat on“ einen Solistenwettstreit von Saxophon und Trompete mitverfolgen oder in der Filmmusik zu „Jurassic Park“ schwelgen.
Schon immer hatte die Vokalmusik einen hohen Stellenwert bei den Konzerten des Otto-Hahn-Gymnasiums, und es scheint, als seien hier noch lange keine Grenze in Sicht, wobei sich auch der seit zwei Jahren etablierte musische Zweig deutlich bemerkbar macht. Der Unterstufenchor unter der Leitung von Studiendirektor Werner Stehbach sang engagiert und natürlich mehrstimmig „Can you feel the love tonight“ aus dem Musical „König der Löwen“ und meisterte bravourös ein Medley mit den Hits aus „Sister Act“, wobei man Gesangslehrerin Ursula Steppert als Solistin bei „I will follow him“ dabei hatte. Auch die Chorklassen, bestehend aus Schülerinnen und Schülern der fünften und sechsten Jahrgangsstufe, beeindruckten mit einem dreistimmigen Satz des Volkslieds „Horch, was kommt von draußen rein“, ebenfalls unter der Leitung von Werner Stehbach. Was sich hinter dem hochernsten Titel „Cantus Pumili“ verbarg, konnte auch der gewiefte Lateiner nicht auf Anhieb erahnen: Das „Lied der Zwerge“ zündete ein Feuerwerk von pfiffigen Ideen und verzauberte durch eine frisch-freche Textunterlegung des bekannten Hits „Go West“ - die Chorklasse trug natürlich durchgehend die passende Kopfbedeckung – und nicht zuletzt durch eine parallel dazu laufende Bildpräsentation, die die „Schüler-Zwerge“ in allen Lebenslagen zeigte.
Das „Vocalensemble Q11, Q12 & Friends“ vereint die Oberstufe des achtjährigen Gymnasiums und „Ehemalige“ sowie Abiturienten des letzten Jahrgangs „G9“, die es zumindest diesmal noch nicht übers Herz brachten, das jahrelang prägende musikalische Leben des Otto-Hahn-Gymnasiums einfach hinter sich zu lassen (ein Phänomen, das übrigens auch auf zahlreiche Instrumentalisten zutrifft). Von ihnen gab es, zum Teil a cappella, zum Teil mit Orchesterbegleitung, wie gewohnt feinste Chorklänge: „Guten Abend, gut’ Nacht“ und „The sea lullaby“, beides von Werner Stehbach arrangiert, und, von vielen als einer der Höhepunkte empfunden, das eindringliche „In stiller Nacht“, ursprünglich ein Text des Jesuiten Friedrich von Spee, im Originalsatz von Johannes Brahms. Ein besonderes Erlebnis sind jedesmal die Gesangssolisten: Auch diesmal überzeugten Johanna und Amelie Troesch, Laura Weiß, Antonia Plobner und Nina Beck bei „What a wonderful world“ und Leonard Cohens „Halleluja“ mit perfekt harmonierenden Stimmen und ausgefeilter Dynamik, einfühlsam von Studienrat Andreas Krauß am Klavier begleitet.
Ob alle Agierenden zusammen Platz finden, fragt man sich jedes Jahr wieder, wenn sich ein Konzert im Otto-Hahn-Gymnasium dem Finale nähert. Bieten schon Kammerchor und Orchester zusammen einen imposanten Anblick (viel bejubelt mit „One moment in time“ und „Music was my first love“), ist es ein unvergleichliches Schauspiel, wenn alle Sänger und Instrumentalisten sich vorne versammeln. Beim wuchtigen Schlussstück „Land of Hope and Glory“ konnte man vielen der Beteiligten am Gesicht ablesen, was es für ein Gefühl sein mag, Teil eines solch gewaltigen Ensembles zu sein – ein Erlebnis, dass sie sicherlich nie vergessen werden. Uschi Geiger
FRANKENPOST 01.08.2011