Junge Tüftler mit Ideen

Bei den Schülern des P-Seminars am Otto-Hahn-Gymnasium dreht sich derzeit alles um Federn. Mit auf dem Bild Schulleiterin Gertraud Nickl (rechts) und Lehrer Markus Doleschal.

Im P-Seminar bauen Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums eine über das Internet gesteuerte Messanlage. Dabei kooperieren sie mit der Firma Scherdel.
Maria erteilt die Aufträge. Schnell sind die 13 Schüler bei der Arbeit. Eine Gruppe recherchiert im Internet, eine andere ist im Physiksaal und baut eine Vorrichtung auf.
Eine neue Form des Unterrichts gibt es seit einiger Zeit an den Gymnasien in Bayern. In den P-Seminaren (das "P" steht für Praxis) lernen die Schüler, über den Tellerrand des Schulgeschehens hinauszublicken. Die Schüler des Physiklehrers Martin Doleschal blickten aber zunächst einmal in die Werkstätten des Marktredwitzer Federn-Herstellers Scherdel. "Das Unternehmen ist unser Kooperationspartner für ein mehr als auf ein Jahr angelegtes Projekt", erklärt Doleschal. Dabei konzipieren und bauen die Schüler eine ferngesteuerte Messeinrichtung zur Untersuchung von Federnkräften. Per Internet lässt sich künftig die in einem potenziell Tausende Kilometer entfernten Raum stehende Feder drücken. Dabei wird zugleich aufgezeichnet, welcher Druck auf der Feder lastet.
Bei einem Besuch im Unternehmen besichtigten die Gymnasiasten einige Werkstätten bei Scherdel. Hier zeigte ihnen der Leiter des Projekttypenbaus, Manfred Günther, Messeinrichtungen, mit denen in der Industrie Federn getestet werden. "Die sind natürlich technisch auf einem völlig anderen Niveau", erklärt Doleschal. Im P-Seminar sollten die Schüler allerdings vorwiegend die Grundzüge der Technik kennenlernen. Wichtiger sei, dass die Schüler lernten, wie ein Projekt geplant, verwirklicht und dokumentiert werde.
Junge Forscher
Deshalb gibt es auch verschiedene Gruppen, die sich um alle Arbeiten kümmern. "Wir haben unsere EDV-Experten, diejenigen, die sich mit der Mechanik befassen und andere, die alle Arbeitsschritte dokumentieren und organisieren", sagt Maria, die zu letzteren Gruppe gehört.
Die Firma Scherdel unterstützt das Projekt der Gymnasiasten unter anderem dadurch, dass es Materialien zur Verfügung stellt. Immer wieder suchen die jungen Forscher aber auch Rat bei den Praktikern. Unter anderem erklärte der bei Scherdel für die Auszubildenden zuständige Meister Markus Nürnberger, wie sich mit einigen geschickten Bewegungen ein Stück Draht in eine wohlgeformte Feder verwandeln lässt.
Praktischer Nutzen
Wie Doleschal sagte, sollen die Schüler erst den mechanischen Versuch aufbauen und analysieren. "Es handelt sich nicht um eine reine Simulation am Computer, sondern um ein Experiment, das tatsächliche Werte misst." Für den Lehrer wie für die Schüler ist das Seminar interessant, da es den Physik- und EDV-Unterricht ergänzt. "Es ist immer interessant, wenn man sieht, dass das Gelernte auch tatsächlich zu etwas Praktischem nützlich ist", sagt Schülerin Maria.
Im Gegensatz zum Unterricht des neunstufigen Gymnasiums gibt es in der Oberstufe des G-8 einen starken Praxisbezug. Die Schüler lernen dabei nicht nur, wie sie eine wissenschaftliche Arbeit schreiben können, sondern sie sollen auch arbeiten und sich mit Dingen beschäftigen, die nicht zum klassischen Lehrplan gehören, etwa Veranstaltungen organisieren und eben mit Praktikern aus Industrie oder Handwerk zusammenarbeiten.
Dass auch für Scherdel das Projekt mit den Schülern interessant ist, bestätigt Claudia Heinz von der Personalverwaltung. "Für uns ist ein derartiges Praxisseminar eine neue und interessante Form, künftige Mitarbeiter frühzeitig kennenzulernen." 500 Euro für die Idee
In einer Feierstunde in München hat vor kurzem Kultusminister Ludwig Spaenle das Otto-Hahn-Gymnasium für die innovative Projektidee ausgezeichnet. In Oberfranken wurden drei und in ganz Bayern 19 Gymnasien für ihre Ideen geehrt. Jede Schule erhielt 500 Euro als Anerkennung. Wie Lehrer Markus Doleschal sagt, wird ein Teil des Geldes wahrscheinlich für eine Exkursion verwendet. Matthias Bäumler
FRANKENPOST 11.01.2011

 

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