Hexenwerk Stundenplan

Sie tüfteln am Computer den Stundenplan für das kommende Schuljahr aus (von links): Studiendirektor Herbert Freitag, Peter Weyer und Markus Dumler. Foto: Bäumler

Während der Ferien planen die Lehrer am Otto-Hahn-Gymnasium das neue Schuljahr. Ein Ziel ist es, möglichst wenig Nachmittagsunterricht anbieten zu müssen.
Die Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums haben in den Sommerferien alles andere im Sinn als das kommende Schuljahr. Anders Markus Dumler und Peter Weyer. Die beiden Lehrer tüfteln seit Monaten am neuen Stundenplan. Was so unspektakulär klingt, ist eine Monsteraufgabe. "Ohne spezielle Software wäre es nicht möglich, die Kinder und Kollegen zu Schuljahresbeginn mit Stundenplänen zu versorgen", so Weyer. Die beiden Stundenplankoordinatoren müssen das Kunststück fertig bringen, 1575 Unterrichtsstunden auf 27 Klassen, vieler Oberstufenkurse und 77 Lehrer aufzuteilen.
Die Planungen des neuen Schuljahres begannen im März. "In dieser Zeit stand fest, welche Kurse die künftigen Oberstufenschüler belegen wollen", sagt Dumler. Etwa zu Pfingsten ist auch klar, wie viele neue Schüler im September das Gymnasium besuchen. Mit wie vielen Lehrern und Referendaren die Schule planen kann, ist derzeit noch nicht bekannt. Schulleiterin Gertraud Nickl seufzt, als sie vom jährlich wiederkehrenden "Glücksspiel" berichtet. "Wir melden dem Kultusministerium zwar unseren Bedarf an, welche Kräfte wir erhalten, steht allerdings auf einem anderen Blatt." Häufig sei die Fächerkombination der Referendare und Neulehrer nicht deckungsgleich mit den Erfordernissen der Schule. "Derzeit gibt es viel mehr Lehrer mit dem Zweitfach Geografie als benötigt werden. Naturwissenschaftler und Englischlehrer fehlen hingegen." Damit das "OHG" dennoch alle Fächer besetzen kann, erhält es vom Ministerium Geld. "Damit können wir am freien Markt Lehrkräfte akquirieren." Dies sei schwer, da es in der Region wenig verfügbare Akademiker gebe.
Eine Hiobsbotschaft
Vor einigen Jahren hatten die Stundenplankoordinatoren ihr komplexes Werk im Februar endlich fertig, da ereilte sie eine Hiobsbotschaft. "Eine neue Referendarin, die wir unter anderem für das Fach Englisch geplant haben, musste gestehen, dass sie ausgerechnet in diesem Fach eine Fünf habe und somit nicht unterrichten dürfe. Da mussten wir wieder alles umwerfen und von neuem beginnen", sagt Weyer. Wenn die Schülerzahl und die verfügbaren Lehrkräfte feststehen, beginnt die eigentliche Arbeit der Koordinatoren. Zunächst verteilt Studiendirektor Herbert Freitag die Lehrer auf die Klassen. "Dabei berücksichtigen wir - so weit als möglich - die Wünsche der Kollegen", sagt Freitag. Ein Lehrer etwa, der aus Münchberg pendelt, erhält daher meist einen Stundenplan ohne Lücken zwischen den Einsätzen. Auch auf die familiäre Situation der Teilzeitpädagogen gelte es Rücksicht zu nehmen. "Wir haben unter anderem die Öffnungszeiten mehrerer Kindergärten im Blick."
Viermal bis 16 Uhr
Das wichtigste Kriterium bei der Arbeit am Stundenplan ist für Weyer und Dumler die Freizeit der Kinder. "Mit der Einführung des G 8 ist es schwierig geworden, Nachmittagsunterricht zu vermeiden", sagt Weiher. In der fünften Jahrgangsstufe gebe es noch an keinem Nachmittag Unterricht, in der Mittelstufe an zwei Tagen. Happig sei die elfte Jahrgangsstufe. "Im abgelaufenen Schuljahr mussten die Schüler viermal in der Woche bis 16 Uhr ran." Dies solle künftig vermieden werden.
Noch andere Kriterien haben Weyer und Dumler im Blick: So dürfen sich die Klassen beim Physik- oder Chemieunterricht, der in Fachräumen stattfindet, nicht in die Quere kommen. Auch soll vermieden werden, dass die Schüler zu viele Freistunden haben. "Schließlich müssen wir den Stundenkanon rhythmisieren. Drei vier Kernfächer hintereinander ist den Kindern nicht zuzumuten", erläutert Dumler.
Ein menschliches Gehirn könnte kaum all die Vorgaben unter einen Hut bringen. Deshalb nutzen die Lehrer die Hilfe des Computers. "Manchmal rechnet der zehn, zwölf Stunden, bis er die Lösung eines Problems gefunden hat", sagt Weyer.
Im Grunde wird der Stundenplan für das Otto-Hahn-Gymnasium nie endgültig fertig. Da sich während des Jahres immer wieder Unvorhersehbares ereignet (Krankheiten, Schwangerschaften, nicht zugewiesene Lehrer), sind die beiden Stundenplankoordinatoren fortlaufend am Jonglieren von Stunden, Klassen und Pädagogen. Während die "normalen Lehrer" sieben Wochen Sommerferien genießen können, sitzen Markus Dumler und Peter Weyer die letzten ein, zwei Ferienwochen am Computer und tüfteln am Stundenplan. "Für unseren Aufwand haben wir allerdings eine Wochenstunde weniger Unterricht als unsere Kollegen", so Weyer.
Von Matthias Bäumler
FRANKENPOST 03.08.2010

 

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