Eine ganze Kette bildeten die Schüler von der Aula bis zum Direktorat mit den Unterschriftenlisten.
Schüler und Eltern demonstrieren Landrat Döhler, was am Gymnasium alles im Argen liegt. Sie drängen auf eine schnelle Sanierung.
Landrat Dr. Karl Döhler konnte den Weg nicht verfehlen: Vom Eingang der Aula an waren Blätter an einander gereiht bis in das erste Stockwerk vor das Direktorat. Genauer gesagt 630 Blätter mit Unterschriften von Eltern, die damit an den Landkreis appellieren, endlich etwas für die Renovierung der Schule zu tun. Gehalten wurden die Listen von Schülerinnen und Schülern. Wie berichtet, gab es in den vergangenen Monaten erhebliche Schwierigkeiten, als undichte Dächer, eine ausgefallene Heizung und eindringende Feuchtigkeit manche Klassen zum Umzug zwang. Nun hat der Elternbeirat die Initiative ergriffen und Landrat Döhler persönlich zu einer Schulbesichtigung eingeladen. Wie berichtet, hat der Kreistag zwar einen Beschluss gefasst, in dem er einer Aufstockung und Renovierung zustimmt. Genaue Pläne oder einen Zeitplan aber gibt es dafür noch nicht.
Vor dem Direktorat wurde der Landrat vom Elternbeirat und der Schulleitung mit Oberstudiendirektorin Gertraud Nickl an der Spitze begrüßt. Nickl erinnerte daran, dass die „seit Jahren problematische bauliche Situation“ des Otto-Hahn-Gymnasiums in den letzten Monaten verstärkt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen sei. Dringendstes Anliegen sei eine Renovierung der älteren Bauteile im OHG und vor allem der sanitären Einrichtungen. Nickl freute sich über den Grundsatzbeschluss des Kreistags, jetzt hoffe man auf die Zustimmung der Regierung dazu. Damit aber sei es noch lange nicht getan. Aus diesem Grund und aus Fürsorge um die Schüler habe man die Unterschriftenaktion unter den Eltern der Schüler gestartet. Die Vorsitzende des Elternbeirats, Friederike Ernstberger, unterstrich die Forderung nach einer grundlegenden Sanierung des Schulgebäudes. Beim Tag der offenen Tür habe man kürzlich von vielen Eltern, die selber früher die Schule besucht haben, gehört, dass sich hier ja kaum etwas geändert habe. Die Einladung an Döhler habe man
ausgesprochen, „weil noch mehr an der Schule im Argen liegt und wir ihm das selber zeigen
wollen“.
Döhler erwiderte, er wisse die Kreativität der Schüler mit der Blätter-Kette wohl zu schätzen. Er wies darauf hin, dass es im Landkreis Wunsiedel jedoch drei Schulzentren mit Gymnasien gebe, für die der Landkreis zu sorgen habe. Das sei gar nicht so einfach, zu entscheiden, wo man beginne und was man aufschieben müsse. Eine weitere Hürde seien Richtlinien der Regierung, eine Sanierung erst zu bezuschussen, wenn mehr als 50 Prozent erneuert würden. Der Kreistag mache es sich nicht leicht. „Der Grundsatzbeschluss, aufzustocken, ist schon ein Kraftakt gewesen, dem die Regierung allerdings noch zustimmen muss.“ Bei einem Rundgang durch die Schulgebäude legten Elternbeirat und Schulleitung den Finger in so manche Wunde. Da wurden die Stromleitungen aus dem Jahr 1960 angesprochen, die den heutigen Anforderungen mit Beamer und viel mehr anderen elektronischen Geräten längst nicht mehr gewachsen seien. Häufiger komme es zu Kurzschlüssen. Und die Schulleiterin
habe, wenn sie im Winter länger in derSchule ist, stets eine Taschenlampe dabei, weil öfter auch mal das Licht ausfalle. Hitze und Kälte Nachhilfe gab es im Physik-Raum, der ebenso wie der Chemie-Raum unter einem Flachdach liegt. Hier wurde von einem Planungsfehler
schon bei Baubeginn gesprochen. Denn die Schulzimmer liegen im Inneren, ohne Fenster, ausgestattet nur mit Oberlichtern. Die Versuchsräume dagegen liegen auf der Fensterseite. Die Folge davon sei, dass es im Sommer in den Räumen unerträglich heiß werde. Eine Lüftung habe „keinerlei Auswirkungen auf die Temperatur, sondern nur auf die Lautstärke“ bestätigte ein Physiklehrer. Nicht besser sieht es in der Turnhalle der Schule aus: Oben regnet es rein, von unten dringt Feuchtigkeit in den Schwingboden, und die Glasziegelwand sorge im Winter für Kälte, im Sommer für Hitze. Dazu reichten die beiden Turnhallen nicht aus, ein Ausweichen in die Dreifach-Turnhalle sei organisatorisch schwierig. Und der Zustand der sanitären Räume sei so, dass sich die Schüler weigerten, zu duschen. Dabei wolle man sie zu Hygiene und Sauberkeit erziehen. Der Neubau einer Turnhalle wäre problematisch, meinte Döhler mit einem Hinweis auf die Planungen für die Glasschleif. Er versprach, das Kreisbauamt mit Planungen zu beauftragen. Zum Abschluss überreichte Gisela Schwarz-Bäuml vom Elternbeirat dem Landrat einen Pappkarton mit den Unterschriftenlisten. HerbertScharf
FRANKENPOST 09.05.2011