Schüler müssen raus

Mehrere Klassenzimmer am Gymnasium sind wegen eines Wasserschadens nicht mehr nutzbar. Lehrerin Ulrike Nagengast, Elternbeirätin Catrin Tanzhaus, Schulleiterin Gertraud Nickl, Personalrätin Karin Dolling und die Vorsitzende des Elternbeirates Friederike Ernstberger hoffen, dass der 50 Jahre alte Schultrakt endlich renoviert wird. Fotos: Bäumler

In mehreren Räumen des Gymnasiums sind die Wände so nass, dass in ihnen kein Unterricht mehr möglich ist. Das Gesundheitsamt sperrt die Zimmer bis auf weiteres.
„Man könnte meinen, wir leben tatsächlich in einem abgehängten Landkreis, der keiner Investition lohnt.“ Die Leiterin des Otto-Hahn-Gymnasiums, Gertraud Nickl, ist ärgerlich. Da habe sie den Landrat bereits im Sommer vergangenen Jahres durch die Schule geführt und auf die Sanierungsfälle hingewiesen, doch bis heute ist kaum etwas geschehen. „Wenn es bei mir daheim ins Dach hereinregnete, würde ich nicht mit einem Achselzucken reagieren.“
Tatsächlich förmlich hereingeregnet hat es vor einigen Wochen ins Klassenzimmer der 6a. Hier lief das Wasser über Stunden derart heftig von der Decke oberhalb der Fenster, dass die Schüler ihre Bänke wegrücken und eine Wasserbarriere aus mehreren Tafellappen bauen mussten. Eine ähnliche Situation herrschte auch in den danebenliegenden Klassenräumen, im Beratungslehrerzimmer und im Abisaal in dem Trakt. Mittlerweile tritt das Wasser zwar nicht mehr offen zutage, allerdings sind die Außenwände feucht. Der Putz löst sich und Wasserflecken zieren die Wände. Störender als den schmuddeligen Anblick empfinden die Schüler und Lehrer den Geruch nach Moder und Chemie sowie die hohe Luftfeuchtigkeit. „Nach einer halben Stunde Unterricht wurde meine Stimme rau. Während ich danach in ein anderes Klassenzimmer ging, mussten die Kinder den ganzen Vormittag in dem Raum verbringen“, berichtet Lehrerin Ulrike Nagengast.
Die Gesundheitsbehörde im Landratsamt hat die Zimmer mittlerweile inspiziert und sie „bis auf weiteres gesperrt“, wie Behördenleiter Amtsarzt Dr. Johannes Widenmayer auf Anfrage der Frankenpost mitteilte. Dadurch sei man auf der sicheren Seite. Von einer Schimmelbildung sei ihm nichts bekannt. „Man könnte aber eine Luftmessung durchführen. Das müsste unsere Bauabteilung veranlassen.“ Das „gestörte Kleinklima“ in den Räumen sei jedoch Grund genug, „Hoffentlich ist der Abitur-Saal bis zum Beginn der Prüfungen am 18. März wieder zu nutzen“, sorgt sich Gertraud Nickl.
In den vergangenen Tagen, als in den stinkenden und feuchten Klassenzimmern unterrichtet wurde, meldeten sich einige Kinder krank oder legten sich ins Arztzimmer, da ihnen schlecht geworden war. Auch ein Lehrer zog sich eine Erkältung zu. „Wir hatten nur die Wahl zwischen Ersticken oder Erfrieren“, bringt es Ulrike Nagengast auf den Punkt.
Die Elternbeiräte Friederike Ernstberger und Catrin Tanzhaus halten es für kein gutes Zeichen, „dass so wenig in die Schulen investiert wird“. Beide Frauen und Schulleiterin Gertraud Nickl befürchten, dass bei der nächsten Schneeschmelze erneut das Wasser in den Räumen steht.
Trotz ihres Ärgers über die Situation lobt Gertraud Nickl die Mitarbeiter des Landratsamts, die zumindest schnell reagiert und riesige Heizlüfter und Entfeuchter bereitgestellt hätten. „Ich befürchte allerdings, dass es nun doch einer grundlegenderen Sanierung des 50 Jahre alten Traktes bedarf. Wir leiden seit Jahren unter den Wasserschäden. Irgendwann muss dies ein Ende haben.“
Kreisbaumeister Gerhard Cavelius sieht die Ursache der feuchten Decke im Klassenzimmer 105 in zwei Lecks in der Eternitdeckung und den Anschlussblechen zum Dachfenster. Er, Cav“Ich werde mich nun um einen Dachdeckereinsatz kümmern. Die Trocknungsfirma wurde bereits telefonisch aufgefordert, für eine zügigere Abtrocknung von Treppenhaus und WC-Anlagen zu sorgen.“ Matthias Bäumler
FRANKENPOST 04.02.2011

 

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