Jonglieren mit Stundenplan und Raumeinteilung für die Abiturprüfung (von links): Oberstudiendirektorin Gertraud Nickl und die beiden Studiendirektoren Axel Adametz und Siegfried Bleier. Foto: Scharf
Der Doppel-Jahrgang beim Abitur bedeutet für die Lehrer und Schulleitungen eine Menge Arbeit. Heute beginnen die Prüfungen.
„Viel Arbeit“, sagt Oberstudiendirektorin Gertraud Nickl schmunzelnd auf die Frage, was der doppelte Abitur-Jahrgang in diesem Schuljahr für das Otto-Hahn-Gymnasium bedeutet. Letztmals legen Gymnasiasten des bisherigen G 9, insgesamt 96 Schülerinnen und Schüler, das Abitur nach neun Jahren Gymnasium ab. Ebenfalls in diesem Jahr, allerdings zeitlich versetzt, sitzen die Absolventen des G 8 über ihren Abiturarbeiten.
Für die Absolventen des G 9 hieß das etwas mehr Stress als ihn ihre Vorgänger hatten. Denn das erste Halbjahr endete nicht wie gewöhnlich erst im Februar, sondern bereits zum 23. Dezember des vergangenen Jahres. Und auch das zweite Halbjahr verdient seinen Namen eigentlich nicht, denn es ging bereits mit dem 28. Februar zu Ende. Am heutigen Freitag beginnen die Prüfungsarbeiten. Für zwei Schülerinnen des G 9 wird es eng. Sie waren krank. Eine hat bereits das Handtuch geworfen. Wer die Prüfung nicht besteht, kann es entweder bei einer Nachprüfung vor Ort im Herbst noch einmal versuchen. Die Klasse zu wiederholen, wie bisher, geht nicht wegen der Umstellung. Da müsste der Absolvent dann sogar in die elfte Klasse zurück.
Der „Paradigmenwechsel“ in der Bildung kündigte sich schon im Jahr 2003 durch eine gründliche Überarbeitung der Lehrpläne an. Mit dem G 8 aber wurden dann endgültig die Lehren aus der Pisa-Studie gezogen. Wurde bisher in erster Linie Wissen vermittelt, so richten sich die Benotung und der Unterricht verstärkt auf die Vermittlung von mehr Kompetenz, die sich nicht nur am theoretischen Wissen, sondern auch an Fähigkeiten des Alltags orientiert, erklärt die Schulleiterin. Den Schülern werde eine neue Aufgabenkultur vermittelt, ein Vorhaben, das auch regelmäßig vom Ministerium über den Ministerialbeauftragten geprüft werde.
Der Wechsel drücke sich auch in der Benotung aus. Wurden schriftliche Arbeiten bisher doppelt bewertet wie mündliche, so halte sich das jetzt die Waage. Mathematik bleibe Pflichtfach unter den fünf Pflichtfächern und könne im Abitur auch nicht mehr abgewählt werden.
Schon ab der Mittelstufe, fährt die Oberstudiendirektorin fort, müssten die Schülerinnen und Schüler mündliche Aufgaben im Dialog bewältigen. Hier zeigten sich längst erste Erfolge. Mit mündlichen Aufgaben könnten sich die Schüler besser in Fremdsprachen unterhalten als früher, als in erster Linie Wert auf die Vermittlung der Sprache gelegt wurde.
Dass es mit zwei Abiturjahrgängen, die auf einmal an die Universitäten zu einem Studium drängten, trotz zusätzlicher Dozenten erst einmal eng werde, sei kein Geheimnis. Wer flink sei, könne aber auch Zeit sparen und sich einen Vorsprung erarbeiten, wenn er sich bereits zum 2. Mai für das Studium einschreibe.
Mehrfach berichtet wurde bereits über die baulichen Mängel, die der lange und harte Winter an den Gebäuden des OHG zutage brachte. Dass der Wegfall eines großen Saales und weiterer drei Klassenzimmer, in denen immer noch Wände und Decken nach einem Nässeeinbruch getrocknet werden, das Raumproblem an der Schule nicht gerade entschärften, liegt auf der Hand. Immerhin ist das Marktredwitzer Gymnasium mit 1038 Schülerinnen und Schülern zum Schuljahresbeginn das größte Gymnasium im Landkreis. Da trifft es sich gut, dass in dieser Woche die achten Klassen zum Skifahren weg sind und deren Klassenräume genutzt werden können.
Die Schulleiterin betont, dass die Musiksäle der Schule keinesfalls marode sind, wie wir versehentlich berichteten. Zwei sind neu saniert. Und sollten zusätzliche Schulräume in einem neuen Stockwerk auf dem Flachbau möglich sein, könnte man auch Schulräume an die FOS oder BOS abgeben, allerdings keinesfalls in der Aula. Gespannt wartet die Schulleitung deshalb auf die statischen Untersuchungen, die prüfen, ob ein weiteres Stockwerk auf dem Flachbau möglich ist. Herbert Scharf
FRANKENPOST 18.03.2011