Zitaten-Jagd im Internet

Die Lehrer nutzen Internet-Suchmaschinen, die sich auf das Aufstöbern von Plagiaten spezialisiert haben, bei der Korrektur von Facharbeiten. Foto: Miedl

Nicht nur Politiker, auch Schüler schummeln ab und zu bei Arbeiten. Die Lehrer haben aber ein gutes Gespür dafür, was eine eigene Leistung ist und was ein Plagiat.
Am Marktredwitzer Otto-Hahn-Gymnasium hat es heuer eine Schülerin erwischt. Sie hat Teile ihrer Seminararbeit abgeschrieben, ohne die fremden Textstellen im Literaturverzeichnis zu benennen und mit einer Fußnote zu zitieren. Die Folgen sind für das Mädchen drastisch: Sie erhielt für ihre Arbeit null Punkte und wird nicht zur Abiturprüfung zugelassen.
"Bei der Seminararbeit fehlte nicht nur an einer Stelle das Zitat, sondern an vielen - so ganz nach Guttenberg", sagt Schulleiterin Gertraud Nickl. Da die Werke, aus denen zitiert worden sei, nicht im Literaturverzeichnis aufgeführt worden seien, liege der Verdacht der betrügerischen Absicht nahe.
Der Leiter des Luisenburg-Gymnasiums in Wunsiedel hat bisher noch nicht wegen eines Plagiats in einer Schülerarbeit eingreifen müssen. Seiner Ansicht nach ist ein Plagiat in einer Seminararbeit (im G-9 hieß sie Facharbeit) an einem Gymnasium an sich unnötig. "Bei unseren Arbeiten geht es darum, sich mit fachwissenschaftlichen Methoden auseinanderzusetzen. Eine Doktorarbeit hingegen hat den Sinn, durch eigene Erkenntnisse die Wissenschaft weiterzubringen."
Im Unterricht werde das korrekte wissenschaftliche Arbeiten gelernt, sagt Zembsch. Dazu gehöre natürlich auch das richtige Zitieren. "Es kann aber natürlich vorkommen, dass jemand mal vergisst, die Anführungszeichen zu setzen. Darauf macht man als Lehrer den Schüler aufmerksam, und damit hat es sich."
Wie Gertraud Nickl erläutert, gibt es im G-8 in der Qualifizierungsphase ein "Wissenschaftliches Seminar", in dessen Rahmen die Schüler eine Seminararbeit schreiben. Dabei behandeln Gruppen gemeinsam ein großes Thema. "Im Fach Geschichte ging es etwa um Skandale im Kaiserreich. Dieses Thema besprach der Seminarleiter mit den Schülern, die dazu jeweils zu einem Unterthema eine Arbeit verfassten. Während des Schreibens diskutierten die Schüler immer wieder mit dem Lehrer über den Fortschritt ihrer Werke.
Etwas verwundert zeigt sich Gertraud Nickl darüber, dass offenbar an Universitäten Plagiate in Doktorarbeiten nicht auffallen. "Wir prüfen natürlich die Seminararbeiten gründlich, wenn es einen Verdacht gibt." Im Falle der Schülerin war dem korrigierendem Lehrer aufgefallen, dass einige Stellen in der Arbeit weit über dem Niveau eines Gymnasiasten lagen. "Diese haben wir in die Google-Suchmaschine getippt und so das Plagiat nachgewiesen." In eben dieser Art kontrollieren auch die Lehrer am Luisenburg-Gymnasium.
Während den Schülern in der Schulbibliothek früher nur eine begrenzte Auswahl an Fachbüchern für ihre Arbeiten zur Verfügung stand, gibt es dank des Internets heute eine schier unübersichtliche Literatur. "Sicher, das Beschaffen der Bücher ist leichter geworden. Dennoch erachte ich es für schwieriger, die Wertigkeit der Literatur zu erkennen. Was ist ein Buch, das wirklich etwas bringt und was ist eines, das die Fakten mangelhaft darstellt? Dies zu unterscheiden ist höchst anspruchsvoll", sagt Zembsch.
Der Lugy-Direktor will nicht den Stab über Karl-Theodor zu Guttenberg brechen. "Mir scheint die Angelegenheit etwas überbewertet zu sein. Ich glaube, vielen Kritikern geht es nicht um die wissenschaftlichen Standards, sondern um die Auseinandersetzung mit der Person." Ob Guttenberg einfach Fehler begangen oder mit System gehandelt habe, wolle er nicht bewerten. "Die öffentliche Diskussion zeigt aber immerhin unseren Schülern, dass es Regeln gibt, die auch ein Politiker einhalten muss. Es zeigt aber auch, ein Politiker muss nicht unbedingt sakrosankt sein, es handelt sich immer auch nur um einen fehlerhaften Menschen." Matthias Bäumler
FRANKENPOST 22.02.2011
Seminararbeit
Alle Schüler des Gymnasiums müssen in der Qualifikationsstufe eine Seminararbeit schreiben. Diese muss (ohne Anhang) zehn bis 15 Seiten umfassen und den wissenschaftlichen Standards entsprechen.

 

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