Anrührend, jazzig und wuchtig

Posaune und Cello in weiblicher Hand. Foto: Lüneberg

Rund 300 Schüler des OHG gestalten eine Weihnachtsfeier mit vielen Höhepunkten. Selbst schlichte Lieder werden zu einem Erlebnis. Das Publikum ist begeistert.
Geschätzte 300 Mitwirkende lassen sich beim Weihnachtskonzert des Otto-Hahn-Gymnasiums hören und sehen. Aber nicht nur deswegen ist die Aula überfüllt, sondern, wie Schulleiterin Gertraud Nickl berichtet: "Alle Ehrengäste, die wir eingeladen haben, sind auch gekommen".
Seine Markenzeichen arbeitet Musiklehrer Werner Stehbach schon mit den jüngsten Chorsän-gern heraus: dichtes, mehr Klang- als Wort-betontes Singen; mit Lautstärke geht er behutsam um, spart sie für wirksame Höhepunkte auf. Als ideale Werkzeuge auch für Weihnachtsstim-mung eignen sie sich und machen aus schlichten Liedern ein Erlebnis, das durch die vorbild-liche Anpassung der sanft klingenden Orchester-Violinen intensiviert wird.
Der Fundus an Instrumentalisten am OHG, auch an älteren, die ja nicht in den Genuss des musischen Zweiges kommen, ist beträchtlich: Ein komplettes Orchester mit Streichern, Flöten und anderen Holzbläsern hat Musiklehrerin Marina Wildenauer zur Verfügung, und sie brin-gen eine beachtliche Orchestersuite zustande, mit deutlich punktierter Ouvertüre, einem wuchtigen Menuett und einer schwungvollen Gavotte. Nicht nur die Musik wurde sorgfältig geübt - das Stühlerücken, Pulttragen und die Auf- und Abgänge von Hunderten von Sängern funktionieren mustergültig, wie nach einer Choreografie. Das Orchester weicht Werner Steh-bachs Solo-Ensemble des Unterstufenchores; das singt teils verflochtene, auch harmonisch diffizile, auf jeden Fall anrührende Weihnachtslied-Sätze.
Die Musiklehrer sind alle praktischerweise ihre eigenen Arrangeure, Bearbeiter oder sogar Komponisten - so auch Andreas Krauß, der sich außerdem Show-Effekte hat einfallen lassen, die nicht nur den als Rentiere behörnten oder fürchterlich falsch spielenden Schülern Spaß machen. Es ist allerdings Spaß mit Niveau, denn wenn Krauß trauernd an seinem Flügel zu-sammenbricht, spielt die Big Band einen waschechten Trauermarsch, und vier Stücke hin-durch geistern Weihnachtslied-Motive in jazziger Verkleidung durch Perkussion und eine ganze Saxophon-und Klarinetten-Riege. Die innigere Weihnachtsstimmung kehrt zum Ende hin wieder, wenn der Kammerchor eingängige Sätze von John Rutter singt oder das Vocalen-semble & Friends "Es ist ein Ros entsprungen" in einer Vertonung von Hugo Distler, deren herber Charakter durch die Süße der schlichten, aber geschulten Mädchenstimmen gemildert ist. Das Publikum bedankt sich lautstark für zwei musikalisch, dramaturgisch und organisato-risch bewundernswert gestaltete Stunden. Bärbel Lüneberg
FRANKENPOST 24.12.2011

 

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